
Zweite evangelische Kirche? Tück bekräftigt Kritik an Synodalem Weg
"Eine katholische Kirche, die der evangelischen gleich würde, wäre in der Tat überflüssig": Mit diesen Worten hat sich der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück in einem Gastbeitrag in der "Neuen Zürcher Zeitung" (30. Juni) der Kritik von Papst Franziskus am deutschen Reformprozess Synodaler Weg angeschlossen und seine eigene Kritik noch einmal nachgeschärft. Ihm gehe es - ebenso wenig wie Papst Franziskus - darum, den Reformprozess insgesamt zu kritisieren, sondern die damit angezielte "Reform der Kirchenverfassung", d.h. die Umstellung der Machtbefugnisse von einer bischöflich verfassten Kirche hin zu einer an den evangelischen Synodalpraktiken orientierten Kirche. Dies werde der katholischen, bischöflich verfassten Kirche schlichtweg nicht gerecht, so Tück.
In einem am 14. Juni veröffentlichten Interview hatte Papst Franziskus einen Satz wiederholt, den er dem Deutschen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Georg Bätzing bereits als Kritik am Synodalen Weg gesagt hatte: "Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen nicht zwei von ihnen." Es folgten darauf erwartungsgemäß "Abwiegelungsversuche" aus der deutschen katholischen Kirche, so Tück - dies zeige jedoch vor allem, "dass Franziskus einen wunden Punkt getroffen hat".
Dennoch bedeute dies keine allgemeine Kritik an einem Mehr an kollegialer bzw. synodaler Beratung, so Tück weiter. Auch reiche der Skandal des Missbrauchs so tief, dass Aufklärung und strukturelle Maßnahmen dringend geboten seien und vom deutschen Synodalen Weg auch schon auf den Weg gebracht wurden. "Die Frage ist nur, wie weit diese strukturellen Veränderungen gehen sollen und ob sie in die Etablierung eines ständigen Synodalen Rates als Leitungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland einmünden müssen." Damit ginge letztlich die Leitungskompetenz von "sakramental ordinierten Personen auf Gremien über - eine Umstellung der Machtbefugnisse, die eine deutliche Nähe zu Synodalpraktiken der evangelischen Kirche in Deutschland erkennen lässt."
Tück hat sich bereits an anderer Stelle kritisch zum deutschen Synodalen Weg geäußert - u.a. mit einer pointierten Stellungnahme gegen das viel diskutierte Wort eines "außerordentlichen Lehramtes der Betroffenen". Zuletzt sorgte ein Interview Tücks als Schriftleiter der Zeitschrift "Communio" mit dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, für Aufsehen. Darin kam Schönborn zu dem Schluss, dass der deutsche Synodale Weg eine "Instrumentalisierung des Missbrauchs" unternehme mit der Absicht, die Kirche umzubauen.
Quelle: kathpress