
Landau: Pflegereform ist Meilenstein für Pflegesystem mit Zukunft
Die im Frühjahr vorgestellte Pflegereform, dessen erste Gesetze am Donnerstag im Nationalrat beschlossen wurden, ist für Caritas-Präsident Michael Landau ein "Meilenstein auf dem Weg zu einem Pflegesystem mit Zukunft". "Das ist die erste Bundesregierung seit vielen Jahren, die im Bereich Pflege substanziell vom Reden ins Tun gelangt", hielt Landau in einer Aussendung am Donnerstag fest. Dankbar sei er für Nachbesserungen im Zuge der Begutachtungsphase. Gefordert werde von der Caritas nach wie vor die langfristige Absicherung der Reform und eine außerordentliche Inflationsanpassungen bei 24h-Betreuung und Pflegegeld.
Landau freue sich, dass im Rahmen der Begutachtung auch auf die Expertise der Caritas und anderer in dem Bereich tätiger Organisationen gehört worden sei und etwa für Arbeitende in Pflege und Sozialbetreuung eine Gleichstellung erreicht werden konnte. Nicht ausblenden dürfe man, dass nun weitere Schritte notwendig seien. Allen müsse klar sein, "der Weg hinaus aus der Pflegekrise ist bei Weitem noch nicht zu Ende gegangen". In erster Linie brauche es Verlässlichkeit und langfristige Lösungen auch über die jetzt beschlossenen zwei Jahre hinaus sowie eine Harmonisierung der Pflegelandschaften in den Bundesländern.
Aufgrund der aktuellen Teuerung fordere man weiterhin außerordentliche Inflationsanpassungen, etwa bei der Förderung der 24h-Betreuung, die seit ihrer Einführung vor 15 Jahren noch nie angepasst wurde und beim Pflegegeld. Bei Letzterem sei zwar eine Valorisierung umgesetzt worden, den Wertverlust, der durch die mangelnde Anpassung in den Jahren davor und durch die aktuelle Teuerung zustande gekommen sei, könne diese jedoch nicht ausgleichen.
Menschen für die Pflege gewinnen
Es müsse weiterhin Priorität haben, in den kommenden Jahren möglichst viele Menschen für die Pflege zu gewinnen. Die Pflegereformen enthielten wichtige Maßnahmen, die dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken können, so die Caritas. Während die ersten Entwürfe zur Pflegereform noch eine Ungleichbehandlung diverser Berufsgruppen in Pflege und Betreuung vorgesehen hatten, konnte diese noch ausgeräumt werden.
"Ich bin sehr froh, dass die beschlossenen Verbesserungen nun allen Berufsgruppen zugestanden werden", betonte Landau, denn, das sei "nur fair und höchst verdient". Alle profitierten nun von der Gehaltserhöhung, egal ob Pflegeassistenz, diplomierte Pflegekraft, Heimhilfe oder Behindertenbegleiter. Pflegende und Sozialbetreuer seien eine tragende Säule der Gesellschaft, beide Berufsgruppen für die Lösung der Pflegekrise unerlässlich.
Pflege-Ausbildungsoffensive
Die finanzielle Unterstützung von Menschen, die sich für Ausbildungen zu Pflege- und Sozialbetreuungsberufen entscheiden, sei eine jahrelange Caritas-Forderung. "Mit dem Ausbildungsbonus von 600 Euro, den Auszubildende bei Erstausbildungen künftig erhalten, setzt die Bundesregierung einen wichtigen Schritt", so Landau. Ebenso erfreulich sei es, dass nun auch Auszubildende in Sozialbetreuungsberufen, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Pflegeassistenzmodul absolvieren, für 12 Monate von diesem Bonus profitieren werden. Das attraktiviere die Pflegeausbildung, zeigte sich Landau überzeugt, "und genau das brauchen wir".
Bedauerlich sei, dass Auszubildende in der Sozialbetreuung von der Ausbildungsförderung derzeit zu einem Großteil ausgeschlossen bleiben, so Landau: "Wir befürchten hier eine Verschiebung der Abschlüsse zulasten der Sozialbetreuung und damit mittelfristig weniger Hilfe in der Langzeitpflege und in der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen."
Teil zwei für Herbst gefordert
Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) habe bereits angekündigt, dass im Herbst ein zweiter Teil der Reform folgen könnte, erinnerte Landau. Im Zuge dessen sei die langfristige Absicherung und Finanzierung der jetzt beschlossenen Maßnahmen ebenso dringlich, wie die Harmonisierung der Pflegelandschaft über alle Bundesländer hinweg. Ebenso angegangen werden sollte auch die Bereinigung des Wertverlustes des Pflegegeldes sowie weitere konkrete Maßnahmen zur Attraktivierung des Pflegeberufs.
Als drängende Zukunftsfrage für den Pflegebereich sieht Landau zudem die Errichtung eines Digitalisierungsfonds. Die Bundesregierung sei gefordert, wenn es etwa um die Förderung von entsprechenden Innovationen zur Entlastung gehe, oder die Vision, Pflegedienstleistungen via e-card abzuwickeln. "Ich hoffe, dass die Bundesregierung den Schwung jetzt nützt und den Weg hin zu einem Pflegesystem mit Zukunft konsequent weitergeht", so der Caritas-Österreich-Präsident abschließend, denn, "für viele Menschen ist die Pflegekrise eines der drängendsten Probleme unserer Gesellschaft, nicht zuletzt eine Frage der Teilhabe und Selbstbestimmung".
Quelle: kathpress