
Schönborn: "Work-Life-Balance" durch "Aktion und Kontemplation"
"Aktion und Kontemplation" sind nötig, um die "Work-Life-Balance" zu halten. Darauf hat Kardinal Christoph Schönborn in seinem Evangelienkommentar in der "Krone" am Sonntag hingewiesen. Die Geschichte im Lukasevangelium von der Begegnung Jesu mit Marta und Maria mache deutlich: Es braucht für ein erfülltes Leben sowohl ein aktives und tätiges als auch ein beschauliches und betendes Dasein.
Die im Evangelium erwähnten Schwestern des Lazarus seien in der Geschichte zum Beispiel für zwei Lebenseinstellungen geworden, führte der Wiener Erzbischof aus. Beiden seien "Urbilder für zwei Grundhaltungen im Leben" geworden, für Aktion und Kontemplation und die Frage nach deren rechtem Verhältnis. Kirchlich habe man der Jesus zuhörenden Maria den Vorzug gegeben: "Ein Leben im Kloster, ganz für das Gebet und die Betrachtung, hielt man für vollkommener als ein Leben in den vielen Sorgen und Mühen des weltlichen Alltags. Umgekehrt meinten die Aufklärer, das Leben der Mönche und Nonnen bringe der Gesellschaft keinen praktischen Nutzen." Mit diesem Argument habe Kaiser Joseph II. in seiner Regierungszeit (1780-1790) mehr als 700 Klöster aufheben lassen und das Leben in den Pfarren gefördert, weil dieses aus seiner Sicht als nützlicher erschien.
Demgegenüber plädierte der Kardinal dafür, beides im Auge zu behalten: "Marta und Maria sind heute aktuell wie eh und je". Im Stress des modernen Berufslebens werde viel von "Work-Life-Balance" gesprochen, vom rechten Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben: "Wer viel zu tun hat, muss darauf achten, dass die Arbeit nicht zum besinnungslosen Rennen im Hamsterrad der Termine wird. Ich weiß, dass Zeit für Besinnung, Nachdenken, Gebet unerlässlich ist, wenn ich nicht ausbrennen will."
Die Botschaft des Evangeliums laute: "Gerade wer helfen, sich für andere einsetzen will, der darf nicht auf sich selber vergessen. Die Seele braucht Zeit und Raum, um sich nicht in tausend Tätigkeiten zu verlieren. Wer sich aber die Zeit nimmt, sich wie Maria dem Herrn zu Füßen zu setzen und Ihm zuzuhören, der wird die Kraft finden, wie Marta voll und ganz für andere da zu sein. Wir brauchen sie beide: Marta und Maria!"
Quelle: kathpress