
Küng: Kirchenkrise ist Ruf zu klarer Identität und Authentizität
Durch Anpassung an die Gegebenheiten von heute ist eine Erneuerung der Kirche nicht zu erreichen. Das hat der St. Pöltner Altbischof Klaus Küng (81) zur häufig diagnostizierten Kirchenkrise festgehalten. "Die heutige Zeit ist vor allem ein Ruf zur klaren Identität und zur Authentizität, jedenfalls zum Streben danach", stellte er in einem Kommentar für die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (21. Juli) fest. Durch die Anforderungen der Arbeit und andere Umstände verlören viele Gott aus dem Blick und "geraten leichter denn je in alte und neue 'Knechtschaften'". Die Menschen hätten fast alles und seien dennoch nicht glücklich, befand der Bischof. "Die Sehnsucht, die wir im Herzen tragen, weil wir von Gott stammen und zu Ihm hin unterwegs sind, wird nicht erfüllt."
Die Kirche und alle Christen - Frauen und Männer, Junge und Alte - mögen gemäß der oftmaligen Aufforderung von Papst Franziskus ihrer Berufung folgen. Wer Christus im Herzen trage, werde zum Hoffnungsträger für seine Familie und Arbeitskollegen, für Kirche und Gesellschaft. Eltern sollten ihren Kindern keine langen Predigten halten, sondern ihre Berufung leben, ermunterte der frühere Familienbischof. Dies weise ihren Kindern den Weg. "In der Folge entstehen weitere christliche Familien und kommen geistliche Berufe", gab sich Küng optimistisch.
"Christus ist anziehend, auch heute", enthielt sich der Bischof jeder Schwarzmalerei. Seiner Beobachtung nach würden sich auch nicht alle Kirchen leeren - "manche füllen sich, auch bei uns". Küng relativierte die Befürchtung einer absehbar "kleinen Herde" von Christen: "War es nicht immer so, dass es bei wenigen begonnen hat?" Zudem gelte: "Wir sind aber gar nicht so wenige." Zuversicht gebe die Prophezeiung Christi, dass die Kirche niemals untergehen wird.
Quelle: kathpress