
Seelsorgerin: Asylzelte "menschenunwürdig und nicht notwendig"
"Menschenunwürdig und nicht notwendig" nennt Monika Weilguni Zeltlager für Asylsuchende. Die leitende Seelsorgerin der Pfarre Linz-St. Konrad sprach mit der "KirchenZeitung" der Diözese Linz (aktuelle Ausgabe) über die aktuelle "Managementkrise" in der Grundversorgung von Geflüchteten. Im März habe man das ehemalige Postverteilerzentrum in Linz für Menschen aus der Ukraine geöffnet, erzählte sie. Sie frage sich, warum man es nicht "für alle Geflüchtete" zur Verfügung stelle. "Zimmer sind besser als Zelte. Das wäre kurzfristig eine Alternative in der kalten Jahreszeit", appellierte sie an die politisch Zuständigen.
Darüber hinaus verwies Weilguni, die sich seit vielen Jahren in Oberösterreich für geflüchtete Menschen einsetzt, auf den Sofortmaßnahmen-Plan, den Amnesty International, Caritas, Diakonie, Volkshilfe und andere Sozialorganisationen bereits im September vorgeschlagen hatten. Der Versorgungsengpass zulasten schutzsuchender Menschen in Österreich ließe sich durch eine bessere Kooperation von Bund und Ländern lösen, meinen NGOs. Würden für Menschen mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit ihres Asylantrages schnellere Verfahren ermöglicht, würden Plätze in der Grundversorgung frei, weil diese Menschen dann arbeiten dürften und selbst für ihren Unterhalt sorgen könnten.
Privaten Quartiergebenden sollte Anerkennung des Staates in Form von steuerlicher Absetzbarkeit für die Unterbringung von Schutzsuchenden zuteilwerden. Zudem brauche es - auch angesichts der Teuerung - eine kostendeckende Finanzierung organisierter Quartiergebender. Auch würde die Überführung von subsidiär Schutzbedürftigen und Vertriebenen aus der Ukraine ins Sozialhilfesystem jenes der Grundversorgung entlasten. Ukrainische Geflüchtete haben einen Sonderstatus und dürfen in Österreich - anders als andere Asylsuchende - arbeiten.
"Das Aufenthaltsrecht für die Ukrainerinnen und Ukrainer endet im März. Hier ist es wichtig, schon jetzt eine Lösung zu finden", erklärte Weilguni. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser hatte hierzu kürzlich ein eigenes "Ukrainer-Gesetz" nach Vorbild des "Bosnier-Gesetzes" Ende der 1990er-Jahre gefordert. Weilguni will grundsätzlich alle Geflüchteten gleich behandeln, aber auch die unterschiedlichen Fluchtursachen, Fluchtgeschichten und Traumatisierungen berücksichtigen. Dezentrale, kleinteilige Unterbringung anstelle von Massenquartieren sei wichtig, um die neu angekommenen Menschen gut unterstützen zu können. "Die Verbrechen auf der Balkanroute mitten in Europa sind unvorstellbar", berichtete sie aus Gesprächen mit Betroffenen. Sichere Fluchtwege und eine geordnete Evakuierung der Lager in Griechenland sind ihr ein großes Anliegen.
Herausfordernde Hilfe
Lisa Steinkogler, Leiterin der Flüchtlingshilfe der Caritas OÖ, erzählte, dass derzeit viele Geflüchtete in Österreich sind. Sie weiß auch, dass viele Geflüchtete nicht bleiben wollen. Viele Menschen aus Indien würden lieber in Portugal oder Spanien arbeiten. Rechtliche Regeln sehen aber vor, dass sie ihren Asylantrag im ersten Staat stellen müssen, in dem sie die EU betreten haben. Die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer wollten schnell zurückkehren, wobei durch den Krieg eine Planung für die Caritas und andere Einrichtungen herausfordernd sei. Steinkogler betonte, dass diese Verantwortung nicht zu stark auf Privatpersonen abgeschoben werden dürfe. Auch Weilguni orte eine gewisse Müdigkeit in der zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Flüchtlingshilfe. Für sie ist es "anders, einen 18-jährigen jungen Mann aus Syrien zu begleiten oder eine Familie mit kleinen Kindern aus der Ukraine".
Weilguni erklärte: "Die Fluchtgeschichten in der Bibel sind nicht weit entfernt davon, was Menschen heute schildern, die nach Österreich kommen." Letztlich gehe es beim Thema Flucht und Asyl um die Glaubwürdigkeit der Kirche. Auch Pfarrgemeinden dürften die Not der Geflüchteten nicht ausblenden. Energie für ihr ehrenamtliches Engagement nimmt sie etwa bei "Momenten der Begegnung" wie kürzlich bei einer Feier beim Denkmal für Geflüchtete am Stadtfriedhof Linz/St. Martin. 30 betroffene Menschen erinnerten dabei mit Steinen, Rosen und Kerzen an auf der Flucht gestorbene Menschen.
Quelle: kathpress