
Caritas-Delegation in Pakistan: "Mensch wie Tier, unter freiem Himmel"
Auch ein halbes Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe in Pakistan leben viele Betroffene, "Mensch wie Tier, unter freiem Himmel, oder sind in einfachsten improvisierten Hütten untergebracht". Das berichtet der Generalsekretär der Caritas der Diözese St. Pölten, Christoph Riedl, am Dienstag im Gespräch mit Kathpress. Riedl befindet sich derzeit gemeinsam mit dem St. Pöltener Caritasdirektor Hannes Ziselsberger und weiteren Caritas-Mitarbeitern in dem 230-Millionen-Einwohner-Land, das vor gut einem halben Jahr von einer der schlimmsten Flutkatastrophen seiner Geschichte heimgesucht wurde.
33 Millionen Menschen waren von der Zerstörung durch die Wassermassen betroffen - "ein großer Teil davon ist es heute noch immer", berichtete Riedl, der sich aktuell in der Region rund um die Metropole Lahore aufhält. Der Caritas-Generalsekretär war bereits im vergangenen Juli, kurz nach der Katastrophe, in der betroffenen Region.
"Es ist erschreckend, dass in einigen Landesteilen noch immer das Wasser der Flut auf den Feldern steht", schilderte er die Situation vor Ort. Das sei in zweierlei Hinsicht problematisch: Zum einen behindere es die Menschen beim Anbau von Grundnahrungsmitteln, andererseits seien die stehenden Wasserflächen ein Hort für Moskitos und beförderten die Ausbreitungen von Seuchen und Krankheiten, so Riedl.
Ein Großteil der Hütten der Menschen ist nach wie vor überschwemmt, erzählte Riedl. Die Familien seien auf Lebensmittelunterstützung angewiesen. Gäbe es die Unterstützung der Hilfsorganisationen nicht, wären die Menschen allein mit ihrem Schicksal. Die Behörden und die Regierung seien überfordert, so der Sozialexperte, Nachsatz: "Wobei bei 33 Millionen Betroffenen jede Regierung überfordert wäre."
Wettlauf mit der Zeit
Die Caritas ist mit ihren Partnerorganisationen derzeit beim Wiederaufbau in den betroffenen Regionen engagiert. Organisiert wird u.a. die Errichtung von 1.500 hochwassersicheren Häusern. Die je 20 Quadratmeter großen Behausungen bieten jeweils einer Familie mit sechs bis sieben Mitgliedern eine sichere Unterkunft. Der Aufbau ist auch ein Wettlauf mit der Zeit, schilderte Riedl. Es werde in dem Land bereits wieder wärmer und die Menschen fürchten sich vor einer erneuten Extremhitze im Sommer, die dann in flutartigen Niederschlägen gipfelt.
Noch bis Sonntag ist die Delegation auf Lokalaugenschein in dem südasiatischen Land und trifft mit Projektpartnern, wie auch der lokalen Caritas zusammen. Ajmad Gulzar, Direktor der Caritas Pakistan, schilderte die Herausforderungen: "Nach sechs Monaten sind noch immer viele Menschen ohne Dach über dem Kopf, sie leben in Zelten ohne Zugang zu Sanitäranlagen."
Viele Kinder würden nach wie vor nicht die Schule besuchen können, erzählte Gulzar. Die Caritas Pakistan versuche, die betroffenen Familien zu erreichen, um ihre Lebensumstände zu verbessern. In diesem Jahr rechne man wieder mit Unwettern, denn die Effekte der Flut aus dem vergangenen Jahr seien noch heute spürbar. In ein paar Monaten starte die Monsunzeit, durch den Klimawandel sei in der Zukunft eher mit noch schlimmeren Regenfällen zu rechnen, fürchtete Pakistans Caritasdirektor. (Infos: www.caritas-stpoelten.at)
Quelle: kathpress