
Festakt "900 Jahre Gurker Domkapitel" im Klagenfurter Dom
Mit einem Festakt im Klagenfurter Dom feierte das Gurker Domkapitel Donnerstagabend sein 900-jähriges Bestehen. Dompropst Engelbert Guggenberger verwies in seiner Begrüßungsrede auf die "wertvollen Akzente in Bildung und Kultur, im karitativen und sozialen Bereich, aber auch in der Gestaltung des öffentlichen und politischen Lebens", welche das Domkapitel in den vergangenen 900 Jahren gesetzt habe und weiterhin setze. Das Gurker Domkapitel ist nach dem Salzburger Domkapitel das zweitälteste Österreichs. Liturgisch gefeiert wird das Jubiläum am Hemmatag (27. Juni) mit einem Festgottesdienst mit Diözesanbischof Josef Marketz und dem Domkapitel im Gurker Dom.
Bischof Marketz dankte dem Domkapitel beim Festakt in seinem Grußwort dafür, dass es das Erbe der hl. Hemma 900 Jahre lang "sehr verantwortungsvoll" bewahrt habe. Es sei wichtig, so der Kärntner Bischof, dass dieses Erbe erhalten und auch an die nächsten Generationen weitergegeben werde. Freilich: "Kompetenzen sind heute breit gestreut und nicht nur auf den Bischof und das Domkapitel beschränkt", so Bischof Marketz.
Der evangelische Superintendent Manfred Sauer gratulierte dem Domkapitel zum runden Jubiläum und würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Kirche und dem Domkapitel. Zwischen ihm und den Mitgliedern des Domkapitels gebe es eine "freundschaftliche Verbundenheit, die über die Jahre gewachsen ist". Das Domkapitel habe "in der sehr schwierigen Zeit der Sedisvakanz die Diözese souverän und sicher geführt". In diesem Zusammenhang betonte er die Doppelfunktion des Domkapitels "in dessen Hinwendung zu den Gläubigen, die sich zur Kirche bekennen und sie mitgestalten wollen, einerseits und zum Bischof andererseits". Diese Zuwendung brauche es, so der Superintendent, in beide Richtungen.
Für das Land Kärnten nahm Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber am Festakt teil. Auch er erinnerte in seinem Grußwort daran, dass das Domkapitel in der "sehr herausfordernden Zeit der Sedisvakanz seine Kompetenz bewiesen hat". Das 900-Jahr-Jubiläum sei, so Gruber, "ein beeindruckendes Zeichen für Kontinuität". Christlich-soziale Werte, für die das Domkapitel und die christlichen Kirchen insgesamt stehen würden, seien in Zeiten der Krisen "ein ganz wichtiger Ankerpunkt und bieten Sicherheit".
Der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider betonte die wichtige Aufgabenstellung und Bedeutung des Domkapitels. Das Domkapitel sei "in herausfordernden Zeiten eine Stütze für die Menschen".
Jubiläumsfestschrift und Sozialprojekt
Im Rahmen des Festaktes präsentierte der frühere Diözesanarchivar Peter Tropper die von ihm herausgegebene Jubiläumsfestschrift "900 Jahre Gurker Domkapitel". Das Buch führe, so Tropper, "die Bedeutung des Domkapitels nicht nur für die Geschichte des kirchlichen Lebens, sondern für die Geschichte des Landes Kärnten insgesamt vor Augen".
Wie Dompropst Guggenberger in seiner Festrede weiter sagte, falle das Domkapitel im Alltag des kirchlichen Lebens - abgesehen von seiner liturgischen Tracht - nicht sonderlich auf. Es verrichte, so Guggenberger, "vergleichbar einem Aufsichtsrat seine Arbeit eher im Hintergrund des Geschehens". Das 900-Jahr-Jubiläum sei nun Anlass, diese kirchliche Institution und ihre Protagonisten vor den Vorhang zu holen und ihr Wirken in Geschichte und Gegenwart zu bedenken, sagte der Dompropst und betonte gleichzeitig, "dass der Blick nicht bei der Vergangenheit stehen bleiben, sondern die Gegenwart ins Auge gefasst werden soll, um das zur Sprache zu bringen, was heute Thema ist".
Es sei dem Domkapitel ein besonderes Anliegen, im Sinne von gelebter Gottes- und Nächstenliebe anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums ein doppeltes Sozialprojekt zu stiften. So überreichte Guggenberger am Ende des Festaktes an Caritasdirektor Ernst Sandriesser einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro für das St. Hemma-Haus der Caritas in Friesach.
Den Festvortrag zum Thema "Das Heilige, das Abscheuliche, das Erhabene" hielt Prof. Robert Pfaller von der Kunstuniversität Linz. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen fast nur noch das ertragen könnten und an sich heranlassen würden, was ihrer eigenen, vertrauten Sichtweise nahekomme, brauche es Offenheit dafür, Fremdem oder auch Befremdlichem Aufmerksamkeit zu schenken, so Pfaller.
Quelle: kathpress