
120 Jahre Kinderbetreuung der Diözese Gurk in Treffen
Vor 120 Jahren vom Bonifatiusverein der Diözese Gurk als Waisenhaus in Treffen am Ossiacher See gegründet, betreut das "Haus Antonius" heute 38 Kinder und Jugendliche, die aus verschiedensten Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können. Mit Kindergarten und Kindertagesstätte gehört diese sozialpädagogische Einrichtung seit Jahresanfang 2023 zur Caritas Kärnten. Am Samstag wurde das 120-Jahr-Jubiläum groß gefeiert, Festgäste waren u.a. der Kärntner Bischof Josef Marketz, der die Einrichtungen segnete, Seelsorgeamtsdirektorin Elisabeth Schneider-Brandauer, Vertreter der Landesregierung und der Kommunalpolitik. Die Besucher konnten "die Talente etlicher Kinder erleben, gestalteten sie doch freudig und lebhaft den bunten Festakt mit", teilte die Kärntner Caritas am Samstagabend mit.
Viktor Omelko, der als ehemaliger Caritasdirektor 30 Jahre Präsident des Bonifatiusvereins der Diözese Gurk war, erinnerte an die Anfänge des heutigen "Hauses Antonius" mit dem Engagement dreier Barmherziger Schwestern von Zams für damals 13 Kinder. Aus einem Waisenhaus wurde Mitte des 20. Jahrhunderts das "Antoniuskinderheim" für sozial benachteiligte Kinder, also Mädchen und Buben, die es in ihrem jungen Leben nicht einfach hatten.
Mehrere tausend Kinder und Jugendliche wurden in der Einrichtung in den vergangenen 120 Jahren begleitet, viele erwachsen und selbstständig, berichtete die Caritas. Cornelia Pacher, die 1971 im Alter von sechs Jahren ins Haus gekommen ist, "weil ich keine Familie hinter mir hatte", ist heute Sozialpädagogin für die Mädchengruppe "Kunterbunt". Über ihre Kindheit und Jugend in Treffen berichtete sie viel Positives. Das Kinderheim sei zu ihrem unverzichtbaren Daheim geworden, weshalb sie nach ihrem Auszug im Alter von 18 Jahren mit den Schwestern und nach deren Abschied aus Treffen im Jahre 2000 mit dem Haus in Verbindung blieb. "Die Kinder wissen, dass ich hier aufgewachsen bin. Ich kann mich gut in sie hineinfühlen", sagte Pacher über ihre heutige Tätigkeit. In das "Haus Antonius" kommen nur Kinder und Jugendliche, die zu Hause nicht leben können - mangels Versorgung, aufgrund der Krankheit der Eltern oder wegen sozialer und emotionaler Schwierigkeiten.
Auch Startwohnungen für Jugendliche
Die 38 Kinder und Jugendlichen von vier bis 19 Jahren leben laut Caritas in vier Wohngruppen und werden von 30 sozialpädagogischen Fachkräften im Alltag liebevoll betreut. Zudem gibt es sieben kleine Wohnungen mit Betreuung am Standort Treffen und zwei in Villach, in denen die Jugendlichen das selbstständige Wohnen erproben können. Die Aufenthaltsdauer der Heranwachsenden betrage zwischen vier und sechs Jahre. Hausleiterin Sylvia Tarmann lobte die gute Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft, der Gemeinde, dem Land und allen Kooperationspartnern.
Das "Haus Antonius" gehört wie der Kindergarten und die Kindertagesstätte seit 1. Jänner 2023 zur Caritas Kärnten. Deren Direktor Ernst Sandriesser betonte: "Liebe, Verständnis für die jeweilige Situation des Kindes und eine gute Unterstützung für den Schulalltag bietet das 'Haus Antonius' seit 120 Jahren. Denn wenn Kinder von zu Hause wegmüssen, dann muss rasch ein neues Zuhause gefunden werden." Gleichzeitig werde jede Gelegenheit gesucht, den Kontakt zu den Eltern aufrechtzuerhalten. "Viele Kinder sind zehn Jahre und länger bei uns. Sie schließen ihre Schulausbildung und Lehre bei uns ab. Das Wichtigste ist, dass sie sich bei uns wohl fühlen und ihre Talente entfalten können."
Quelle: kathpress