
Linz: Universität und Diözese Linz ehren Kirchenrechtler Lederhilger
Mit einem Festakt haben die Katholische Privat-Universität Linz (KU) und die Diözese Linz den Kirchenrechtler Severin Lederhilger zu seiner Emeritierung gewürdigt. Seit 1993 war Lederhilger Professor für Kirchenrecht an der KU Linz. Im Rahmen des Festakts am Donnerstagabend in Linz hielt Lederhilger seine Abschiedsvorlesung, in der für eine neue kirchliche Rechtskultur plädierte. Überreicht wurde ihm auch die aus Anlass seiner Emeritierung erscheinende, von den Professoren Wilhelm Rees (Universität Innsbruck), Herbert Kalb (Johannes Kepler Universität Linz) und Rektor Christoph Niemand (KU Linz) herausgegebene Festschrift "Kanonist, Ordensmann und Gestalter".
Bischof Manfred Scheuer leitete als Großkanzler der KU Linz den Abend mit Grußworten ein, in denen er nicht nur die verdienstvolle Tätigkeit Severin Lederhilgers als Universitätsprofessor und Wissenschaftler hervorhob, sondern auch sein praktisches und immer lebensnah gestaltetes Wirken in unterschiedlichen Funktionen in der Diözese Linz, u.a. als Diözesanrichter, als Gerichtsvikar und seit 2005 als Generalvikar. In all dem habe Lederhilger dem Kirchenrecht stets ein "theologisches Profil und ein menschliches Gesicht" gegeben, gerade auch in Konfliktsituationen und bei schwierigen Themen, so Scheuer.
Für diese menschliche Präsenz, seine Expertise in unterschiedlichsten Rechtsbereichen, sein Verständnis des Rechts als "Garanten der Humanität" und die Ausübung seiner Ämter im Sinne des II. Vatikanums sprach Scheuer dem Geehrten seinen großen Dank aus. Auch Scheuers Vorgänger im Linzer Bischofsamt, Maximilian Aichern und Ludwig Schwarz, waren zu dem Festakt gekommen.
KU-Rektor Christoph Niemand würdigte Lederhilgers Verdienste um die KU Linz, an der dieser seit 1993 als Professor für Kirchrecht und Vorstand des gleichnamigen Instituts lehrte und forschte. Während seiner zwei Amtszeiten als Rektor (1998-2002) habe Lederhilger mit der Akkreditierung der damaligen Katholisch-Theologische Hochschule Linz (KTHL) als erste Privatuniversität Österreichs im Jahr 2000 einen ganz entscheidenden Schritt in der Entwicklung zur heutigen KU Linz gestaltet. Wenn die KU Linz heute institutionell und statutarisch grundsolide aufgestellt ist, so sei dafür wesentlich Severin Lederhilger zu danken.
Plädoyer für neue kirchliche Rechtskultur
Die Abschiedsvorlesung Lederhilgers mündete in ein eindringliches Plädoyer für eine neue kirchliche Rechtskultur: Kirchliches Recht diene "nicht einfach dem Machterhalt bestimmter Gruppen"; es könne und möchte ein "Instrument umfassender Pastoral" sein, so Lederhilger. Dafür würden nicht nur Vertreterinnen und Vertreter der Rechtsprechung, der Verwaltungskanonistik und der Wissenschaft Verantwortung tragen, sondern alle theologisch und pastoral Tätigen. Diese seien aufgerufen, aus ihrer je eigenen praktischen Kompetenz ein rechtswissenschaftlich fundiertes, theologisch verantwortetes Kirchenrecht mitzugestalten und so eine dialogoffene und interdisziplinär agierende Kanonistik stärker zu etablieren. Der Titel von Lederhilgers Abschiedsvorlesung lautete "Macht und Ohnmacht kanonischen Rechts".
Anhand eines Ganges durch die Festschrift "Kanonist, Ordensmann und Gestalter" umriss Prof. Rees Lederhilgers wissenschaftlichen Werdegang und die Spannweite seiner Themenfelder und Interessen: etwa kirchliches Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Ordensrecht, Fragen zum Verhältnis von Kirchenrecht und Pastoral, Ökumene und kooperative Seelsorge. Mit dem Titel einer seiner Publikationen - "Entscheidend ist das Wir" - lasse sich eine Grundüberzeugung des Geehrten benennen: Es komme auf das Miteinander in der Kirche an.
Mit 1. September 2023 wird der deutsche Theologe und Kirchenrechtler Andreas Graßmann, der derzeit in Salzburg lehrt, die Professur für Kirchenrecht an der KU Linz übernehmen.
Quelle: kathpress