
Tück zu Tiroler Kreuz-Debatte: "Thema taugt nicht zum Kulturkampf"
Ist es in einer religionspluralen Gesellschaft noch zeitgemäß, Kreuze auf Berggipfeln aufzustellen oder diese zu erhalten? Über diese Frage war im Juli eine kleine, von Italien ausgehende und schließlich über Tirol bis Bayern geführte Debatte entbrannt. Seitens offizieller Kirchenvertreter hielt man sich dabei zurück - nun hat allerdings der Wiener Theologe Prof. Jan-Heiner Tück sich in einem Gastbeitrag in der "Furche" (Ausgabe 10. August) dazu erklärt, Gipfelkreuze seien weiterhin zeitgemäß, insofern sie einen "Denkanstoß" darstellten, der "selbst religiös unmusikalischen Zeitgenossen etwas zu sagen" habe. Zugleich aber rief Tück zur Mäßigung auf: "Das Thema taugt nicht zu einem Kulturkampf, auch nicht zu einem kleinen."
Auslöser der Debatte war die angebliche Forderung des italienischen Alpenverbands Club Alpino Italiano (CAI), bestehende Kreuze aus Respekt vor anderen Kulturen zu entfernen, da es sich bei Berggipfeln um religiös "neutralen Boden" handle. Auch wenn der CAI später zurückruderte und erklärte, dies sei nie eine offizielle Forderung gewesen, kam eine Debatte in Gang, bei der sich sowohl die lokale Politik in Tirol als auch in Bayern beteiligte. Selbst Bergsteiger Reinhold Messner erklärte sich in der deutschen "Bild" zu der Debatte und riet, keine neuen Gipfelkreuze zu errichten, da dies einer religiösen Machtdemonstration gleiche.
Auch Tück wies die Idee einer "flächendeckenden Demontage" von Gipfelkreuzen als "bilderstürmerischen Akt" zurück. Wenn hingegen bestehende Kreuze weiterhin gepflegt würden, sei dies "eine traditionssensible Lösung, die zugleich auf die Veränderung des religiösen Feldes reagiert". Tatsächlich seien Berge aus religionshistorischer Sicht "besondere Orte", erinnerte der Theologe weiters: Sie "schlagen eine Brücke zwischen Himmel und Erde", ihre Gipfel spielten auch in der biblischen Überlieferung immer wieder eine wichtige Rolle, sei es bei Abraham und Isaak oder bei der Bergpredigt Jesu.
Quelle: kathpress