
Pühringer: "Die Kirche ist kein hoffnungsloser Fall"
Die katholische Kirche benötigt mehr Mut für innerkirchliche Reformen: Speziell Themen, wie die Frauenfrage, die Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten sowie die Sexualmoral, "die gefühlt seit ewigen Zeiten diskutiert werden", bräuchten weitere Schritte, das hat der frühere OÖ-Landeshauptmann Josef Pühringer gefordert. "Gestalten wir mit, damit der Geschmack an Gott nicht verloren geht", so der nunmehrige Vorsitzende der Linzer "Pro Oriente"-Sektion in einem Gastkommentar im OÖ-"Volksblatt" (Ausgabe 19. August). Es sei Zeit vom Reden ins Tun zu kommen, etwa in puncto Frauen, forderte Pühringer: "Wer hindert den Papst und die Kirche, etwa das Diakonat für Frauen zu ermöglichen? Engagierte Frauen leisten in der Kirche sehr, sehr viel!"
Trotz aller Mängel und Probleme, meinte Pühringer: "Die Kirche ist kein hoffnungsloser Fall" - auch wenn viel geschehen müsse und die Zeit laufe. Menschen benötigten noch immer kirchliche Dienste, sei es bei Taufe, Hochzeit oder Begräbnis. Für den ehemaligen ÖVP-Politiker stellt die eine Chance dar, da "dort, wo die Kirche gerufen wird, wird sie offensichtlich auch gebraucht".
Dies sei weniger eine Einladung, dies als "Brauchtums-Christentum" zu kritisieren, sondern dazu die Chance zu nutzen: "In solchen Stunden, in Feierstimmung, kann das Evangelium, die frohe Botschaft, vielleicht wieder leichter andocken, da und dort, auch nachhaltig!"
Viele der Reformbereiche seien bereits seit dem 2. Vatikanum bekannt, führte Pühringer aus. "Papst Franziskus hat selbst erste Schritte gesetzt, indem er einerseits die Diskussion über den Pflichtzölibat wiedereröffnet hat und die Reformagenda auch auf der Tagesordnung der Synode steht", verwies der Pühringer auf den Papst.
Neuer Ökumenismus gefordert
Auch der ökumenische Dialog benötigte einen neuen Aufschwung. Pühringer forderte dabei einen neuen Ökumenismus, der sich etwa bei der Lösung der gesellschaftlichen Fragen - "zu denen die Kirche berufen ist, ja verpflichtet ist, mitzuwirken". Christliche Kirchen müssten als Zeichen der Einheit stärker zusammenarbeiten, da eine christliche Kirche, die mit einer Stimme spreche, eine wesentlich höhere, gesellschaftliche Relevanz habe. "Immerhin sind wir gemeinsam als christliche Kirchen 2,1 Milliarden Menschen auf der Welt, also rund ein Viertel der Menschheit", schrieb der Vorsitzende der Linzer "Pro Oriente"-Sektion.
Kritik äußerte Pühringer daran, dass die Spaltungen noch immer nicht überwunden seien. Dies sei ein "zwar ein Ärgernis, aber die vielen, positiven, ökumenischen Brücken, die vor allem an der Basis gebaut werden, sind ermutigend". Aktuell warte die Kirche auf eine Art "Pfingstereignis", das jedoch nur Rom mit Reformen auslösen könne.
Quelle: kathpress