
100 Jahre Luising bei Österreich: Zsifkovics würdigt "Brückenbauer"
Österreichs Bundesgrenze ist genau 100 Jahre alt - wobei die letzte Grenzveränderung die Einbürgerung der Ortschaften Luising (Bezirk Güssing) und Schandorf (Bezirk Oberwart) ins Burgenland war. Zum Jubiläum gab es am Samstag in Luising einen Festakt sowie auch einen Festgottesdienst, den der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics gemeinsam mit dem ungarischen Bischof Janos Szekely (Szombathely) in Anwesenheit von viel Prominenz - darunter Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil - zelebrierte. Der Bischof würdigte dabei die "bleibende Schritte", welche hoffnungsvolle "Brückenbauer" damals gemacht hätten.
Besonders hob Zsifkovics den Einsatz des damaligen Luisinger Pfarrers Josef Mischinger hervor. Der Geistliche, der zugleich auch Abgeordneter in Szombathely war, habe sich gemeinsam mit einer Gruppe von Bauern für den Wechsel zu Österreich eingesetzt: "Nicht aus nationalistischen Absichten, nicht als Zeichen der Ab- oder Ausgrenzung, sondern aus dem Wissen um die Herkunft und die Zukunft der Luisinger", wie der Bischof betonte. Die dabei zutage gelegte "unbeugsame Hoffnung auf eine gute, bessere und menschenwürdige Zukunft" sei "noch stärker als Überzeugungsarbeit für die Alliierte Grenzkommission, stärker als die Einwohnerbefragungen und alle statistischen Festschreibungen" gewesen.
Zehn andere Nachbardörfer seien damals allerdings dem ungarischen Komitat Vas zugeordnet worden, räumte Zsifkovics ein. Die damaligen Generationen hätten "Ringen, Neuanfänge, Verletzungen und Verwundungen" durchlebt, erst recht infolge des Zweiten Weltkriegs und der folgenden Jahrzehnte des Eisernen Vorhangs. Doch selbst die "Trennmauer der Unmenschlichkeit" mit ihren Stacheldrähten, Wachtürmen und Grenzposten habe die Seelen der Menschen und ihre Hoffnung nicht vernichtet.
Heute praktizierten die Dörfer in ihrem Alltagsleben wieder "alte gute Nachbarschaft, wobei ein Diesseits und Jenseits der Grenzen nur schwer auszumachen" sei, hielt der Eisenstädter Oberhirte fest. Ohne die ethnischen Wurzeln zu vergessen, werde sowohl Ungarisch als auch Kroatisch und Deutsch gesprochen und religiöse Vielfalt gelebt. Für die Menschen sei klar, "dass Nationalismus immer zu einer Verarmung des Menschen führt, einander ausgrenzt und die Menschen verletzt". Diese Erkenntnis sei wichtig, gelte doch: "Das Gegeneinander schafft Hass und Ausgrenzung, das Nebeneinander macht müde und zukunftslos. Das Miteinander weckt Kreativität, das Füreinander erschließt Zukunft." Durch das Bauen von Brücken zueinander seien die Bewohner hingegen zu "stillen, aber wirklich großen Baumeistern eines zusammenwachsenden Europas" geworden.
Bis heute sei das zur Gemeinde Heiligenbrunn gehörende Luising, wo einst im 18. Jahrhundert Schwaben ansässig wurden, im Unterschied zu anderen burgenländischen Orten eine "eigene Sprachinsel mit besonderer Lautfärbung", stellte Zsifkovics fest. An die von Abwanderung betroffene junge Generation richtete der Bischof den Auftrag, "dass sie nie vergessen, dass der wirkliche Reichtum des Lebens nie nur eine Frage des Geldes und des Besitzes sein kann".
An den langen und zähen Kampf um die Zugehörigkeit zu Österreich wurde am Samstag auch im Rahmen des Festakts erinnert. Nationalratspräsident Sobotka nannte es "beispielgebend", wie die Luisinger einst ihre Grenzschwierigkeiten gelöst hätten. Auch weitere Politiker hoben dabei die guten Verbindungen zum Nachbarland Ungarn hervor.
Quelle: kathpress