
Scharl: Österreich wieder zum Ort des Friedensstiftens machen
Einen Aufruf an Österreich, seine Neutralität aktiv zu leben und als Selbstverpflichtung zu verstehen, gab es am Nationalfeiertag bei der "Österreich-Feier" im Wiener Stephansdom. Weihbischof Franz Scharl als Hauptzelebrant des Pontifikalamts "Für Heimat und Vaterland" nannte es bei der abendlichen Festmesse als Aufgabe der Alpenrepublik, einen "konstruktiven Beitrag unter den Nationen zu leisten". Dazu gehöre vor allem, "wieder mehr zu einem Ort zu werden, an dem Frieden gestiftet wird und an dem Verhandlungen möglich sind", so der selbst in Friedensbewegungen engagierte Weihbischof.
Um Friedensstifter zu sein, sei einerseits die grundsätzliche Absage an den Waffenhandel vonnöten, unterstrich Scharl. "Auch ein nur indirektes Mitspielen verbietet sich." Bemühungen seien weiters wichtig, um die jahrzehntelange Tradition von Wien als Standort internationaler Organisationen fortzuführen. Darüber hinaus müsse sich Österreich jedoch auch als "Laboratorium für menschen- und schöpfungsfreundliche Lösungen" in aktuellen Herausforderungen bewähren.
Alle Gesellschaftsbereiche - Soziales, Umwelt, Wissenschaft und Kunst - müssten sich daran beteiligen, aber auch die Kirche dürfe hier nicht außen vor bleiben. "Wir dürfen nicht nur appellieren, sondern müssen selbst vorleben und Impulse geben in dem, was wir uns wünschen", so der Bischof. Als eigenen Beitrag sah Scharl vor allem den Blick auf den Umgang miteinander, das Vorleben des gemeinsamen Unterwegsseins zwischen den verschiedenen Riten oder mit anderen Konfessionen, vor allem aber auch das Gebet.
Der Weihbischof erinnerte in seiner Predigt zudem an den Ursprung des Nationalfeiertags. Bei der erst 1965 erfolgten Festsetzung seines Termins habe man unter den verschiedenen sich anbietenden Optionen sehr bewusst die Festschreibung der immerwährenden Neutralität in der Verfassung ins Zentrum gerückt.
Die Feier von Österreichs Nationalfeiertag beinhalte immer auch den Dank für die 1955 erlangte Unabhängigkeit, die von den damaligen Politikern "nicht nur verhandelt und errungen, sondern auch erbetet" worden sei, betonte Scharl. Die großen Gebetsmärsche des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs (RSK) der Nachkriegszeit hätten aus kirchlicher Sicht entscheidend dazu beigetragen, dass der Abzug der sowjetischen Besatzer hierzulande schon deutlich vor der Wende von 1989/90 geschehen sei. Im Gedenken daran sei die Dankmesse immer auch eine Marienfeier.
Symbolort für ganz Österreich
Der Wiener Stephansdom gilt als wichtiger Symbolort der traditionellen Österreich-Feier am Nationalfeiertag, da er durch den nachkriegsbedingten Wiederaufbau als Nationalkirche gilt. Erheblichen Anteil an dem Wiederaufbau nach der Zerstörung des Jahres 1945 hatten die einzelnen Bundesländer, von denen in den Folgejahren jedes für sich einen Beitrag geleistet hat. Seit der Wiedereröffnung 1952 wird jedes Jahr einer der österreichischen Diözesanbischöfe zur Feier eingeladen, wobei diesmal Wien an der Reihe war und Scharl Erzbischofs Kardinal Schönborn vertrat, der sich bei der noch bis Samstag dauernden Welt-Synode in Rom aufhält.
Der Festgottesdienst begann mit Bläsermusik und den gesungenen Mariazeller-Rufen, ehe eine Lichterprozession durch den Dom zum Hauptaltar führte, begleitet von traditionellen Marienliedern. Das anschließende Pontifikalamt "Für Heimat und Vaterland" wurde mit der Trinitatis-Messe von W. A. Mozart anlässlich ihres 250 Jahr-Jubiläums gestaltet. Zum Abschluss erklang das Te Deum, die österreichische Bundeshymne und das Geläut der Pummerin. Die 300 Jahre alte, im Weltkrieg zerstörte größte (Marien-) Glocke Österreichs wurde nach ihrem erneuten Guss 1952 "geweiht der Königin von Österreich, damit durch ihre mächtige Fürbitte Friede sei in Freiheit".
Quelle: kathpress