
Marketz: Kirche darf sich nicht "an Strukturen krallen"
Für den Kärntner Bischof Josef Marketz darf sich die katholische Kirche in Zukunft nicht zu sehr "an Strukturen krallen". "Es geht nicht nur um das Überleben der Institution", so der Bischof in der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" (aktuelle Ausgabe), vielmehr müsse das "gute Leben, das alle Menschen sich für ihre Zukunft wünschen", im Zentrum stehen. Die Jesus-Worte "Fürchtet euch nicht!" seien deswegen auch im Zusammenhang mit Erneuerungsprozessen in der Kirche eine gute Herangehensweise.
Es habe sich in der Kirche im letzten Jahr "einiges getan", so der Gurker Diözesanbischof in Bezug auf den Synodalen Prozess der Weltkirche, aber auch den Kirchenentwicklungsprozess in Kärnten. Es gehe darum, wie der Glaube in Zeiten der Veränderung weitergetragen werden könne. Es sei unleugbar, "dass die Kirchen leerer werden, wir weniger eigene Priester haben", so Marketz. "Daher geht es auch darum, junge Menschen für die Nachfolge Jesu zu begeistern, Strukturen zu hinterfragen und Maßnahmen zu setzen."
Der Vorwurf, dass die Kirche viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sei, sei einer, der ihn ärgere: "Wir hatten schon lange keinen Papst mehr, der so politisch war, der die großen Fragen der Welt aufgreift und kommentiert", so Marketz. "Viel lauter als jetzt können wir, die Katholische Kirche, in der Weltpolitik nicht sein." Papst Franziskus thematisiere mehr als jeder andere Armut, Klimagerechtigkeit, Krieg und Frieden. "Die Kirche ist am Puls der Zeit - weltweit."
Randgruppen in Gesellschaft hören
In Kärnten habe man sich die Frage gestellt, wie die Kirche angesichts der Herausforderungen der Zeit den Menschen mit ihren Hoffnungen und Sorgen auf zeitgemäße Weise zur Seite zu stehen und ihnen die Kraft des Glaubens vermitteln könne. Der Kirchenerneuerungsprozess habe bei vielen Gläubigen die Hoffnung aufkeimen lassen, dass Fragen wie Frauendiakonat, oder der Pflichtzölibat angegangen werden könnten. Diese "heißen Eisen" müssten aber auf weltkirchlicher Ebene gelöst werden, so Marketz. "Da kann keine Diözese einen Alleingang beschreiten. Wer solche Erwartungen hat, muss enttäuscht werden."
Was ihm beim Prozess in Kärnten aber wichtig sei, seien die "Randgruppen der Gesellschaft", auf die es zu hören gelte. "Ein Beispiel dafür ist die Regenbogenseelsorge, der Umgang der Kirche mit der LGBTQ-Bewegung", so der Kärntner Bischof. "Wir müssen mehr aufeinander hören, miteinander reden, die anderen neben uns akzeptieren." Die Menschen wollten viel zu selten nach rechts oder links schauen, die Frage "wie geht es den anderen mit uns?", sei aber eine zentrale, so die Überzeugung Marketz'.
Quelle: Kathpress