
Evangelischer Bischof: Radikalisierung gedeiht im Geheimen
Gegen die Verdrängung von Religion aus der Öffentlichkeit als vermeintliches Mittel zur Verhinderung von Radikalisierungsprozessen wendet sich der Wiener evangelische Bischof Michael Chalupka. In seiner Kolumne in der "Kronen Zeitung" hinterfragte Chalupka am Samstag den oft gehörten Slogan "Religion ist Privatsache". "Religion als Privatsache ist kein Mittel gegen Fanatismus und Radikalisierung, denn die gedeihen am besten in geheimen Hinterzimmern", hielt der Kirchenvertreter fest.
"Wer Religion nur noch im Privaten sehen will, verschämt gelebt in den eigenen vier Wänden, der vergisst, dass die öffentliche Präsenz Religionen auch ins Gespräch zwingt, indem sie gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen, was sie lehren, was sie bewegen und welche Ziele sie haben", erklärte Chalupka.
Religion sei zwar etwas sehr Persönliches und Intimes, lebe aber auch von Gemeinschaft, so der lutherische Bischof weiter. "Glaube wird gemeinsam praktiziert. An öffentlichen Orten, die für alle frei zugänglich sind." Dies sei auch in Österreich in der Geschichte keine Selbstverständlichkeit gewesen, erinnerte Chalupka an Verbot und Verfolgung protestantischer Gläubiger bis ins 18. Jahrhundert. Religionsfreiheit gehöre zu den Menschenrechten, fügte der Bischof hinzu. "Niemandem soll eine Religion aufgezwungen werden, aber jede und jeder sollen ihre Religion auch ausüben können."
Quelle: kathpress