
Wien Schauplatz der Internationalen Orgeltagung
Wien ist noch bis Samstag Schauplatz eines besonderen musikalischen Gipfeltreffens: Knapp 300 Orgelliebhaberinnen und Orgelliebhaber - von Organisten, Orgelbauer, Orgelsachverständige, Musiklehrende bis zu Theologen und Freunde des Instruments - sind in der Bundeshauptstadt der 70. Tagung der "Gesellschaft der Orgelfreunde" (GdO) versammelt. Die Gesellschaft - eine internationale Vereinigung mit 5.000 Mitgliedern, deren Fokus der deutschsprachige Raum ist - bemüht sich um die Förderung der Orgelkultur. Die jährliche Tagung im Sommer findet jeweils in einer anderen Stadt statt, bei der aktuellen Ausgabe ist die Erzdiözese Wien Kooperationspartnerin.
Gestartet war das Treffen bereits am Sonntag (28. Juli) mit einem Orgelgeschichts-Vortrag des Linzer Domorganisten Wolfgang Kreuzhuber und einem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst, den Bischofsvikar Josef Grünwidl und Pfarrer Johannes Modeß in der lutherischen Stadtpfarrkirche Wien leiteten. Schon im Alten Testament seien Sänger und Musiker namentlich erwähnt und als ebenbürtig in der Tempelliturgie mit den Priestern dargestellt worden, erklärten die beiden Geistlichen. Letztlich würden in den Schilderungen des Alten Bundes sogar die Priester nicht mehr mit Worten predigen, sondern auf musikalische Weise - durch das Blasen der Trompeten - in den Gesang einstimmen. Das Spielen der Musikinstrumente habe Gottes Gegenwart "spürbar und erlebbar" gemacht, so Grünwidl und Modeß.
Den Teilnehmenden habe man ein "umfassendes Bild der Besonderheit der Wiener Orgellandschaft" vermitteln wollen, erklärte in einem Bericht der Erzdiözese Wien deren Kirchenmusik-Bereichsleiter Daniel Mair, der die Tagung gemeinsam mit Peter Planyavsky und Maria Helfgott künstlerisch leitete. 34 Orgeln und ein Glockenspiel (Carillon) seien im Laufe der Tagungswoche präsentiert worden, darunter auch herausragende historische Orgeln wie die älteste Orgel Wiens, die "Wöckherl-Orgel" aus dem Jahr 1642 in der Franziskanerkirche, die Orgeln des Konzerthauses bis hin natürlich zur 2020 neu sanierten Riesenorgel des Stephansdoms. Auch die Orgel von Herzogenburg wurde im Rahmen einer Exkursion in die Diözese St. Pölten besichtigt.
Geplant wurde die Tagung von einem Expertenteam des Bereichs Kirchenmusik der Erzdiözese Wien, des Österreichischen Orgelforums (ÖOF) sowie des Zentrums für Orgelforschung an der Wiener Musikuniversität. Die Beteiligten kamen aus Japan, Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Frankreich und Ungarn. Als Anreiz für junge Menschen und zur Förderung des Orgelnachwuchses war für fünf Personen unter 30 Jahren ein Stipendium für die Teilnahme vergeben worden. Die jüngste der Stipendiaten war die erst 14-jährige Chiara Louisa Arnold aus Eisenach, dem Geburtsort von Johann Sebastian Bach.
Quelle: kathpress