
"Vater" der Tischmütter: "Ultrakonservative" Kirche hat keine Zukunft
Der 89-jährige Piarist und "Vater" der Tischmütter, P. Pius Platz, hat im Podcast "Orden on Air" den Wert der religiösen Erziehung betont. "Religiöse Erziehung ist ein Fundament, auf dem man bauen kann", so der gebürtige Katalane, der seit den 1950er Jahren in Österreich lebt und auf über 50 Jahre Erfahrung als Religionslehrer in Wien zurückblickt. Platz, der ursprünglich als Missionar nach Afrika oder Lateinamerika gehen wollte, sprach auch über den Veränderungsbedarf in der Kirche: So solle die Kirche "offener gegenüber Damen" sein, da es für deren Ausschluss von Weiheämtern keine Gründe gäbe. Trotz interner Spannungen und Spaltungen blickt der Ordensmann positiv in die Zukunft der Kirche, da "der Geist Gottes die Kirche führt" und "die ultrakonservative Kirche keine Zukunft hat".
Das zentrale Anliegen des Ordens der Piaristen ist die Vermittlung eines "liebenden Gottes" im Religionsunterricht, anstelle eines strafenden Gottesbildes. "Kinder sind von Natur aus offen für das Wahre, für das Schöne", betonte Platz und hob hervor, dass der Glaube gerade in schwierigen Zeiten eine wichtige Stütze sei.
Als besonders prägend habe sich für ihn das Studium in Rom während des Zweiten Vatikanischen Konzils und seine Zeit als Religionslehrer an der Piaristenschule St. Thekla in Wien herausgestellt, sagte der Ordensmann im Podcast der Österreichischen Ordenskonferenz. Der Podcast ist auf allen größeren Audioplattformen zu finden.
Den "liebenden Gott" lehren
Der 89-jährige Piarist bezeichnete sich in dem Gespräch selbst als einen Verfechter des "liebenden Gottes": "Wir müssen uns die Begeisterung für Jesus erhalten und den befreienden Jesus verkünden, nicht den strafenden." Dieses Bild des liebenden Gottes habe er den Kindern in der Schule vermittelt, denn: "Kinder sind von Natur aus offen für das Wahre, für das Schöne." Sein Ziel im Religionsunterricht war es, die Kinder so zu erziehen, dass sie auch als Erwachsene im christlichen Glauben verankert bleiben und sich dazu bekennen. Dieser Glaube sei eine Grundlage, die gerade in schwierigen Zeiten trägt.
Die Kinder selbst bezeichnete der Piaristenpatrer als "die besten Lehrerinnen und Lehrer" aufgrund ihrer Echtheit und Geradlinigkeit. Als er nach dem Studium in Rom "vollgepackt mit wissenschaftlicher Theologie" als Religionslehrer in Wien begann, war ihm schnell klar: "Ich muss meinen Unterricht komplett umkrempeln." Das größte Kompliment für ihn war, als ein Schüler nach dem Religionsunterricht zu ihm sagte: "P. Pius, du hast heute gesprochen wie ein Kind."
Der Ordensmann gilt auch als einer der "Väter" der Tischmütter, also jener - meist weiblichen - Helferinnen in der Erstkommunionvorbereitung. Zu den Anfängen dieser mittlerweile pfarrlichen Tradition sei er durch ganz Österreich gefahren, um für das Anliegen Werbung zu machen, berichtete P. Platz.
Piaristen
Es gibt aktuell rund 1.300 Piaristen in 43 Ländern auf der ganzen Welt. Die Zahl der Ordensmitglieder wächst weltweit, besonders durch den Nachwuchs in Asien und Afrika. In Österreich leben 13 Piaristen an den Standorten Maria Treu (Wien), St. Thekla (Wien), Krems und Horn (NÖ).
Die Ordensmänner der Piaristen legen bei ihrem Ordenseintritt zusätzlich zu den üblichen drei Gelübden - Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam - ein viertes Gelübde ab, nämlich das Gelübde, sich für die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen einzusetzen.
(Podcast "Orden on Air": https://www.ordensgemeinschaften.at/portal/mediathek/podcastordenonair)
Quelle: kathpress