Zulehner: Nußbaumer "ging es buchstäblich um Gott und die Welt"
Als einen Mann, "dem es buchstäblich um Gott und die Welt ging", hat der Wiener Theologe Paul Zulehner den am 25. Oktober verstorbenen katholischen Publizisten Heinz Nußbaumer gewürdigt. In seiner mit persönlichen Erinnerungen und literarischen Querverweisen gespickten Predigt beim Auferstehungsgottesdienst für den früheren "Kurier"-Ressortleiter, Kommunikationschef der Präsidentschaftskanzlei unter den Bundespräsidenten Kurt Waldheim und Thomas Klestil und Herausgeber der Wochenzeitung "Die Furche" nannte Zulehner Nußbaumer am Samstag in dessen Heimatort Hinterbrühl einen viel beschäftigten "Neugierigen, der im besten Sinn 'katholisch' war, nicht in einem engen konfessionellen, sondern einem breiten universellen Sinn".
Nußbaumer, Autor des tiefgründigen Erfolgsbuches "Der Mönch in mir", war nach den Worten Zulehners "ein Pilger zwischen so vielfältigen Welten" und ein Brückenbauer zwischen den abrahamitischen Religionen: "Er war in einem Österreicher, Europäer, vor allem aber ein Weltbürger", in Hinterbrühl genauso zuhause wie im Nahen Osten oder auf dem Berg Athos.
Nußbaumer habe Kirchenmänner wie Kardinal Franz König und Bundespräsidenten beraten. "Und vor allem erklärte er als einer der führenden Journalisten des Landes den Menschen diese komplizierte und taumelnde Welt, in der sich jene, die unter die Räder der Armut und des Krieges kommen, nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen", sagte Zulehner. Die Frage, wie der Verstorbene diese enormen Leistungen in Welt und Kirche vollbringen konnte, beantwortete der Theologe mit einem Wort des Lyrikers Rainer Maria Rilkes: "so tief gepflanzt". Nußbaumer sei zwar ein treuer Katholik gewesen, habe aber auch andeuten können, dass er mehr ein Suchender sei denn einer, dem felsenfester Glaube geschenkt sei.
Spirituelle Heimat habe er bei seinen insgesamt 38 Besuchen auf dem monastisch geprägten Berg Athos gefunden. Zulehner: "Er erlebte die Stille des heiligen Berges, die Feierlichkeit der orthodoxen Liturgie, den Duft des Weihrauchs, die meditativen Gespräche mit Mönchen... Aus dem gestressten Mann wurde nach und nach ein Pilger." Zulehner schloss mit einem Zitat aus Nußbaumers "am meisten tiefschürfenden Buch": Nun könne er "ausruhen unter dem Baum Gottes".
Medienmann und Präsidentenberater
Heinz Nußbaumer wurde am 16. Juli 1943 in Bad Reichenhall geboren, wuchs in Salzburg auf und studierte Theologie, Rechts- und Staatsphilosophie sowie Kunstgeschichte. Von 1962 bis 1964 war er Pressereferent beim späteren ÖVP-Bundeskanzler Josef Klaus. 1964 startete Nußbaumer seine journalistische Laufbahn bei der "Salzburger Volkszeitung". 1966 holte sein Vorbild Hugo Portisch das junge Talent nach Wien zum "Kurier", wo er ab 1971 zwei Jahrzehnte lang das Außenpolitik-Ressort leitete. In dieser Zeit entstanden große Serien über den Nahen Osten, Afghanistan, Tibet, China und den ersten Golfkrieg. Von 1990 bis 1999 wechselte Nußbaumer in die Präsidentschaftskanzlei.
Seit 1999 arbeitete Nußbaumer als freier Publizist. 20 Jahre lang, bis Februar 2023, hatte er die Herausgeberschaft der Wochenzeitung "Die Furche" inne. Er war unter anderem einer der Gastgeber der ORF-Reihe "kreuz & quer: Philosophicum" und schrieb mehrere Bücher, darunter den Bestseller "Der Mönch in mir" über seine Athos-Pilgerreisen sowie den Erinnerungsband "Meine kleine große Welt". Nußbaumer engagierte sich u.a. im Verein "Initiative Qualität im Journalismus" und war dort zuletzt im Ehrenvorstand.
Für seine hervorragenden journalistischen Leistungen erhielt Nußbaumer zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Concordia-Preis, den Karl-Renner-Preis, den Leopold-Kunschak-Preis, den vom Österreichischen PEN-Club vergebenen Europäischen Toleranzpreis und 2023 den Hans-Ströbitzer-Preis. 1995 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Quelle: Kathpress