
Menschenrechtler Zambrano erhielt Romero-Preis: Aufruf zu "Mut"
Der Priester, Menschenrechtsaktivist und Poet Luis Zambrano (79) hat am Freitagabend in Graz für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Ärmsten im Hochland von Peru den Romero-Preis 2025 erhalten. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl überreichte die Auszeichnung der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ), die als wichtigste österreichische Ehrung für Engagement in den Bereichen Entwicklung und Menschenrechte in Afrika und Lateinamerika gilt, im Rahmen eines Festakts im Campus Augustinum.
Er nehme die Anerkennung "im Namen all jener, die in Peru Hunger und Durst nach Gerechtigkeit leiden" entgegen, betonte Zambrano in seiner Dankesrede. Er bekannte sich "zu einer Kirche, die aus den Ärmsten hervorgeht und für alle da ist, die Bürokratie und Klerikalismus, übertriebene Diplomatie und Halbherzigkeit überwindet". Zugleich ermutigte Gläubige in Peru und Österreich, die "prophetische Kraft des Evangeliums" mutig zu verkünden, und fragte: "Werden wir den Mut aufbringen, ein System infrage zu stellen, das nicht nur arbeitende Menschen ausbeutet, sondern auch alte Menschen als überflüssig ansieht?"
Zambrano stammt aus einfachen Verhältnissen in Peru. Er studierte in Lima, Innsbruck und Tübingen, kehrte 1982 als pastoraler Mitarbeiter der im südlichen Teil Perus gelegenen Diözese Puno zurück und begann seinen lebenslangen Einsatz für gesellschaftliche Randgruppen. In den 1980er-Jahren beklagte er angesichts der damaligen Terrorwelle in seinem Land Übergriffe und Unterdrückung, dokumentierte Menschenrechtsverletzungen und unterstützte die Opfer juristisch und humanitär. Dabei geriet er mehrmals zwischen Militär und die Guerilla "Sendero Luminoso". 1989 wurde er Ziel eines Todesschwadronenkommandos und musste zeitweise versteckt leben.
Doch auch der allgegenwärtigen Armut im Peru galt sein Einsatz. So baute er mit Unterstützung der entwicklungspolitischen Organisation "Sei so frei" in Puno eine Herberge für Obdachlose und Arme auf und gründete die Menschenrechtsorganisation FEDERH ("Fe y derechos humanos" - Glauben und Menschenrechte). 2023 begleitete er Überlebende eines Massakers in seiner Einsatzstadt Juliaca, bei dem 18 Demonstrierende getötet wurden, und gründete eine Vereinigung der Opfer, um Aufklärung und Gerechtigkeit einzufordern.
Zambranos befreiungstheologische und indigene Prägung kommt auch in seinen poetischen Werken zum Ausdruck. Bei der Preisverleihung appellierte er mit dem von ihm vorgetragenen Gedicht "Deine und meine Träume" zu Hoffnung und Solidarität. Erstmals gezeigt wurde bei dem Festakt eine vom ORF produzierte Dokumentation über Zambranos Wirken und seine pastoral-theologischen Zugänge. Der Beitrag aus der Reihe "kreuz & quer" wird am 21. Dezember im ORF ausgestrahlt.
Der Romero-Preis wird seit 1981 von der KMBÖ und "Sei so frei" für gesellschaftspolitisches und soziales Engagement in Afrika und Lateinamerika vergeben. Preisträger waren unter anderem Bischof Erwin Kräutler, die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie oder der österreichische Theologe und Priester Günther Zgubic. Erzbischof Oscar Romero wurde am 24. März 1980 während einer Messe in San Salvador erschossen und gilt bis heute als Symbolfigur im Kampf für soziale Gerechtigkeit. 2018 wurde er von Papst Franziskus heiliggesprochen.
Quelle: Kathpress