
Kärntner Superintendent Manfred Sauer feierlich verabschiedet
Nach fast 24 Jahren als Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in Kärnten und Osttirol ist Manfred Sauer am Sonntag (30. November) von Bischöfin Cornelia Richter feierlich von seinem Amt entpflichtet worden. Sauer habe als Superintendent "weit über die ganze Breite der Diözese und ihrer kirchlichen Grenze hinaus" gewirkt, betonte Richter in der Villacher Kirche. Auch Landeshauptmann Peter Kaiser sowie andere kirchliche Vertreterinnen und Vertreter, darunter Diözesanbischof Josef Marketz, Oberösterreichs Superintendent Gerold Lehner und Hasudin Atsanovic von der Islamischen Glaubensgemeinschaft Kärnten, hoben Sauers Verdienste im interreligiösen Dialog und für die Geschwisterlichkeit hervor, teilte der evangelische Pressedienst (epd) mit.
Solidarität und ein gutes Miteinander stellte auch Manfred Sauer ins Zentrum seiner Predigt: "Wir müssen nicht ständig gewinnen, indem wir uns permanent optimieren und miteinander messen und matchen, sondern indem wir achtsam miteinander umgehen, aufrichten, Mut zusprechen und solidarisch handeln", so der scheidende Superintendent. Die Botschaft der Kirche sei eine "Botschaft der Hoffnung und Zuversicht, einer Botschaft, die Friedensstifter und Gerechtigkeitssucher selig spricht" und sich an die Armen und Verfolgten richte. Sie ermutige auch immer wieder zur Versöhnung. Abschließend dankte er den Anwesenden für "den geschwisterlichen Umgang" und die "Weggemeinschaft über viele Jahre hinweg": "Wir bleiben unterwegs im Geist der Hoffnung, dass diese Welt nicht verloren ist." Einsatz für Toleranz und Humanität
Sauer sei in seiner Amtszeit oft neue Wege gegangen und habe neue Worte gefunden, "auch poetische", sagte Richter. Seine Wiederwahl 2013 in eine zweite Amtszeit habe gezeigt, dass er Menschen nicht nur im Gebet nahe war, sondern "viele Menschen getragen" habe, denen vielleicht der Mut fehlte, sich selbst an Gott zu wenden oder die für das Beten keine Worte gefunden haben, wie etwa nach dem Messerattentat im vergangenen Februar. Richter würdigte in ihrer Ansprache auch Sauers Einsatz für Toleranz und Humanität. Auszeichnungen wie der Kärntner Landesorden oder das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich zeigten, dass er in Kärnten "zu einem wahrhaft geistlichen Landesvater" geworden sei, so die Bischöfin.
Sauer habe in den 24 Jahren als Superintendent in seiner Kirche und in der Gesellschaft für Geschwisterlichkeit gestanden, erklärte Landeshauptmann Peter Kaiser in seinem Grußwort. Er sei ihm "kongenialer, wichtiger und kritischer Gesprächspartner" gewesen. Besonders würdigte der Landeshauptmann Sauers Engagement, "den Schwächeren zur Seite zu stehen". Die Kirchen und die Politik verbinde eine gemeinsame Verantwortung für die Menschen. Er sei "dankbar, dass dies auch in schwierigen Situationen mehrfach gelebt werden konnte".
Einsatz für Minderheiten
Auch Diözesanbischof Josef Marketz dankte Sauer für das "Miteinander in Geschwisterlichkeit". "Wir haben gemeinsam Hoffnungen geteilt und gesegnet, und jedem war dabei klar, dass wir vom gleichen Gott reden, wenn wir sein Evangelium verkündigen", sagte Marketz in seinem Grußwort. Sauer sei es gelungen, "unermüdlich Brücken zu bauen zwischen Generationen ebenso wie zwischen Tradition und Zukunft". "Unzweideutig" habe sich Sauer für Gerechtigkeit und marginalisierte Menschen eingesetzt. Mit seinem Einsatz für die slowenische Minderheit in Kärnten habe er die Evangelische Kirche in "solidarischer Beziehung zur Minderheit" geführt, so der Diözesanbischof.
Als dienstältester Superintendent dankte Sauers oberösterreichischer Amtskollege Gerold Lehner für die Zusammenarbeit. Sauer habe dabei immer "das Ganze" im Blick gehabt; es brauche diese wichtige Balance zwischen den Agenden in der Diözese und der Gesamtkirche. Gleichzeitig sei es ihm auch gelungen, in den alltäglichen Vollzügen einer Gemeinde "Gemeinschaft zu stiften und zu bewahren".
Sauer habe in seiner Amtsführung als Superintendent "immer Mitmenschlichkeit transportiert", sagte die Rektorin der Diakonie de La Tour, Astrid Körner, und dankte für die "Parteilichkeit", mit der Sauer seine Stimme "für die Verletzlichsten der Gesellschaft" erhoben habe.
Für die "Ehrlichkeit und Offenheit", die Sauer im interreligiösen Dialog gelebt habe, dankte Hasudin Atsanovic von der Islamischen Glaubensgemeinschaft Kärnten bei einem Empfang im Anschluss der Feier. "Ich danke Gott, dass ich die Möglichkeit hatte, mit dir gemeinsam auf dem Weg zu sein und von dir zu lernen", so der Imam.
Manfred Sauer wurde am 1. Jänner 2002 als Nachfolger von Joachim Rathke zum sechsten Superintendenten der Evangelischen Diözese A.B. Kärnten und Osttirol gewählt, im April 2013 erfolgte seine Wiederwahl. Als Obmann und Gründungsmitglied des "Denk.Raum.Fresach" war Sauer daran beteiligt, dass in dem Kärntner Bergdorf mit den jährlichen "Toleranzgesprächen" ein europäisches Kulturzentrum entstanden ist. Seine Nachfolge tritt mit 1. Dezember Andrea Mattioli an, die am 26. April dieses Jahres zur ersten Superintendentin der Diözese Kärnten und Osttirol gewählt wurde. Die Amtseinführung der neuen Superintendentin wird am 31. Jänner 2026 in Zlan stattfinden.
Quelle: kathpress