
Spendenaufruf: Caritas warnt vor humanitärer Katastrophe im Sudan
Die Caritas hat auf die aktuell größte humanitäre Krise der Welt im Sudan aufmerksam gemacht. Zwei Jahre nach Ausbruch des blutigen Konflikts zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) leidet die Zivilbevölkerung unter Gewalt, Hunger, Vertreibung und dem Zusammenbruch der Versorgungssysteme. Humanitäre Hilfe wird dringend benötigt. "Die Menschen im Sudan stehen buchstäblich am Abgrund. Es wäre fatal, dieser humanitären Tragödie weiterhin so wenig Beachtung zu schenken", rief Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann die internationale Gemeinschaft und Politik am Dienstag zur Mithilfe auf. Nur ein haltbarer Waffenstillstand und ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe könnten eine weitere Verschlechterung verhindern und Leben retten.
Seit Beginn des Konflikts sind Schätzungen zufolge bereits 150.000 Menschen getötet worden. UNHCR spricht von bis zu 15 Millionen Vertriebenen, darunter über acht Millionen Menschen im eigenen Land und weitere Millionen Geflüchtete in Nachbarstaaten wie Tschad, Ägypten und im Südsudan. Ungefähr 24 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit, wobei in mehreren Gebieten, darunter in Teilen von Darfur und den Nuba-Bergen, Hungersnot herrscht. Trotz derzeit bestehender Waffenruhe leiden die Menschen neben Gewalt und Hunger zudem unter der Zerstörung der Infrastruktur. Die medizinische Versorgung ist vielerorts zusammengebrochen, wie die Caritas berichtet: 80 Prozent der Einrichtungen sind beschädigt oder zerstört. Krankheiten wie Cholera, Malaria, Masern und Denguefieber breiten sich ungebremst aus.
Viele Regionen sind für Hilfsorganisationen laut Caritas kaum erreichbar. Immer wieder würden Helferinnen und Helfer angegriffen oder getötet. Der Zugang zu Menschen in akuter Not bleibe äußerst eingeschränkt, obwohl Partnerorganisationen der Caritas vor Ort mit neun Stützpunkten in Darfur gut vernetzt seien. Dort sei die Lage besonders gefährlich. Die UN warnen vor ethnisch motivierten Massakern vor allem gegen sesshafte afrikanischstämmige Bevölkerungsgruppen und sprechen von einem realen Risiko eines Genozids in Darfur.
Fehlende Nothilfen
Trotz zugesagter Nothilfe durch die EU und Mitgliedstaaten in Höhe von 660 Millionen Euro gäbe es immer deutlichere Warnungen vor dem Zusammenbruch der humanitären Versorgung, hieß es seitens der Caritas. Für 2025 werden laut UN rund 4,2 Milliarden US-Dollar benötigt - doch bisher steht erst ein Bruchteil dieser Mittel zur Verfügung. Auch die von der Trump-Administration vorgenommenen Kürzungen des US-Hilfsprogramms USAID treffen das Land hart: 2024 standen laut New York Times noch 830 Millionen US-Dollar an Nothilfe zur Verfügung.
Angesichts dieser dramatischen Entwicklungen ruft die Caritas zu Spenden für ihre Projekte auf. Gemeinsam mit langjährigen Partnerorganisationen unterstützt die Caritas aufgrund der akuten Notlage nach dem Fall von Al-Fashir rund 36.000 vertriebene Menschen in Zentral- und Ost-Darfur mit Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsversorgung und Hygiene-Maßnahmen, teilte die Hilfsorganisation mit. Über 3.000 Haushalte erhalten Bargeld zur Ernährungssicherung. Außerdem betreibt die Caritas vor Ort Gesundheitseinrichtungen und mobile Kliniken für vertriebene Menschen aus der betroffenen Stadt.
Neben dieser Akuthilfe wurden Angaben der Hilfsorganisation zufolge in Khartum sowie in West- und Zentral-Darfur bereits umfassende Nothilfe in den Bereichen Ernährungssicherung, Lebensunterhalt, Gesundheit, Wasserversorgung, Hygiene, Ernährung, Friedensförderung und Klimaresilienz zur Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt. Bis Mitte 2025 erreichten diese Programme über 168.000 Menschen. Binnenvertriebene werden zudem mit Bargeldhilfen unterstützt, die es ihnen ermöglichen, lebensnotwendige Güter eigenständig zu erwerben. In der Region Nuba Mountains unterstützt die Caritas Familien mit Schulungen, Saatgut, Werkzeugen und Gemüse-Sets, um ihre landwirtschaftliche Produktion wiederaufzubauen.
(Caritas-Spendenkonto: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Nothilfe im Sudan; Online-Spenden: www.caritas.at/sudan)
Quelle: kathpress