
Chalupka: Altjahresgottesdienst zum Abschied vom aktiven Dienst
Mit einer sehr persönlichen Predigt hat sich der emeritierte evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka beim Gottesdienst zum Altjahresabend (31.12.) in der Lutherischen Stadtkirche in Wien aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Chalupka war seit September 2019 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, am 8. November 2025 wurde er feierlich aus seinem Amt entpflichtet, in dem ihm Bischöfin Cornelia Richter nachgefolgt ist. Mit 1. Jänner ist Chalupka nun in den Ruhestand getreten. Beim Gottesdienst dankte Bischöfin Richter ihrem Amtsvorgänger für die "fantastische" und "reibungslose" Übergabe in den letzten Wochen, wie es in einem Bericht auf der Internetseite der Evangelischen Kirche heißt.
Die neue Bischöfin würdigte die "Lebensintensität", mit der sich Chalupka für die Evangelische Kirche positiv eingesetzt habe. "Ich durfte eine Kirche vorfinden, die fröhlich ist, in vielerlei Hinsicht. Sie ist selbstbewusst und sie hat so viele Menschen, die in ihr so engagiert und auch so effizient arbeiten. Es ist einfach nur eine Freude, in und für diese Kirche tätig zu sein, dafür danke ich dir sehr herzlich", sagte die Bischöfin.
Enttäuschte und erfüllte Hoffnungen
Chalupka stellte seiner Predigt den Bob Dylan-Song "The Times They Are A-Changin'" voran, den der frühere Oberkirchenrat Karl Schiefermair an der Gitarre intonierte. "Es wird wohl eine Mischung aus dem lebendigen Wort Gottes in Jesus Christus und den Worten eines Bob Dylans, einer Patti Smith oder der Schmetterlinge gewesen sein, die mich als jungen Theologen am Beginn meiner Laufbahn mit der Hoffnung beseelt haben, etwas beitragen zu können zu einer besseren Welt, in der Friede und Gerechtigkeit sich küssen und in der die Kirchen Orte der Nächsten-, der Fremden-, gar der Feindesliebe werden könnten, Orte, in denen Frauen und Männer, Personen jeglicher Façon gleiche Rechte und Pflichten haben könnten und in denen die Armut als Skandal begriffen wird, der im Widerspruch zu Gottes Barmherzigkeit steht", erzählte der frühere Bischof.
Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen habe all diese Ziele 1983 im konziliaren Prozess für Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung beschrieben. "Hoffnungen, die in uns, in eine Generation, in mich, gesetzt wurden", seien enttäuscht worden, wie etwa Hoffnungen in eine wachsende, missionarische Kirche, und auch um die Bewahrung der Schöpfung "scheint es schlecht bestellt. Friede und Gerechtigkeit küssen sich nicht".
Dennoch gebe es auch "Helles, Leuchtendes, das fröhlich stimmt", wie etwa die Wahl der ersten evangelischen Bischöfin. "Als wir jungen Studierenden im Mai 1980 auf der Empore des Albert-Schweitzer-Hauses bei der Synode mit Pauken, Trillerpfeifen und selbstgemalten Transparenten für die Gleichstellung von Frauen und Männer im Pfarramt demonstrierten, haben wir davon geträumt. Manche Träume brauchen eine Lebenspanne, um verwirklicht zu werden", erinnerte sich Chalupka. Der Einsatz der Kirche für soziale Gerechtigkeit in den Pfarrgemeinden und ihrer Diakonie sei stärker und sichtbarer geworden. Das Evangelium werde "gepredigt und gelebt". Die Evangelische Kirche stelle sich den dunklen Seiten ihrer Vergangenheit, übernehme Verantwortung, wo immer sie Menschen verletzt habe, und habe selbst den Antisemitismus ihres Namensgebers Martin Luther verurteilt.
"Die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen, wie auch immer sie Gott geschaffen hat, wird geglaubt und in lebendige Praxis offenen Glaubenslebens der Pfarrgemeinden umgesetzt", führte Chalupka weiter aus und zeigte sich dankbar dafür, "was uns diese Kirche geschenkt hat und immer wieder in aller Vorläufigkeit und Widersprüchlichkeit schenkt".
"Woran ich unerschütterlich glaube, ist, dass sich die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft Jesu Christi als letztem Trost im Leben und Sterben, die Botschaft der Menschwerdung Gottes und der Menschwerdung der Menschen letztlich durchsetzen wird. Bei all unserer Schwäche und unseren Versäumnissen, den enttäuschten Hoffnungen, dem eigenen Versagen, den Irr- und Umwegen seines Bodenpersonals", so der vormalige Bischof wörtlich.
Kritik am politischen Missbrauch des Christentums
Kritisch äußerte sich Chalupka zum vermehrten politischen Missbrauch des Christentums: "Es wird ein vermeintlich christliches Abendland beschworen, gegen andere Religionen gehetzt, Krieg dadurch gerechtfertigt, dass man angeblich die eigene Nation oder verfolgte Christen schützt". Diese Bewegung eines nationalen Christentums, "des Missbrauchs des christlichen Erbes", reiche von Moskau bis Washington, sei aber auch "unserem Land nicht fremd".
"Christinnen und Christen haben einen steinigen, dornigen Weg vor sich. Wir dürfen allerdings getrost sein, der Weg, den uns Jesus Christus führt, bringt Rosen zum Blühen. Es ist der Weg der Gnade", sagte der frühere Bischof. Diese Gnade ermögliche auch den "dankbaren Blick" zurück, zeigte sich Chalupka überzeugt und nahm dabei ein Zitat des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer auf: "Dankbar auf die eigene Vergangenheit zurückzuschauen, gibt uns einerseits die Möglichkeit, das Vergangene wert zu schätzen, ohne es glorifizieren zu müssen, und es zum anderen in die Hände dessen zurückzulegen, der uns das Erlebte geschenkt hat."
Quelle: kathpress