
Evangelische Bischöfin in Neujahrsansprache: "Frieden ist möglich"
Für einen respektvollen und offenen Umgang miteinander auch bei unterschiedlichen Meinungen hat sich die evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter in ihrem ersten "Wort zum Neuen Jahr" ausgesprochen. "Frieden wäre möglich, wenn wir es nur wollen", sagte Richter in der am Neujahrsabend auf ORF 2 ausgestrahlten Ansprache. Die politische und ökonomische Weltlage sei angespannt, der Ton werde rauer, die Sozialpolitik stehe unter Druck, stellte Richter fest. Gleichzeitig gebe es in Österreich viele Menschen, die sich für andere im Sozialbereich einsetzen. Ihnen dankte Richter, "denn das ist genau so, wie es uns die Bibel ans Herz legt".
Auf die Frage, wie die Menschen miteinander leben sollten, gebe die Bibel "ziemlich klare Antworten", so die evangelische Bischöfin. Immer gehe es darum, "dass wir jeden Menschen in seiner von Gott gegebenen Würde anerkennen; dass wir freundlich und sanftmütig miteinander umgehen; dass wir uns helfen; dass wir einander offen, ehrlich und mit Respekt begegnen - auch dort, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, wo es Konflikte gibt und man die Dinge aushandeln muss."
Gesprochen wurde das "Wort zum Neuen Jahr" aus dem Evangelischen Realgymnasium in Wien-Donaustadt. Im Blick auf ein Bild, das Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht gestaltet hatten, bemerkte Richter: "Die Kinder wissen sehr genau, wo es bedrohlich wird", befassten sich mit den Themen Krieg, Rassismus, Tier- und Umweltschutz. "Es sollte uns zu denken geben, dass Kinder so etwas zeichnen", sagte Richter, "denn ihre Zukunft hängt an unserer Verantwortung".
Mit Blick auf die Offenbarung des Johannes in der Bibel erklärte Richter, dass Apokalypse nicht nur bedeute, dass alles untergehe, sondern für eine Zeitenwende stehe, "für eine Zeit, in der alles neu werden darf und alles neu wird, auch die Schöpfung". Es sei eine Zeit, "in der Gott selbst mitten unter uns wohnt und wir uns von ihm neu berühren lassen".
Dies klinge wie eine Utopie, aber "Utopien sind möglich, sie sind positive Gegenentwürfe zu unserer Gesellschaft" und hätten sich in der Geschichte immer wieder bewährt. "Weil wir als Menschen die Freiheit haben, immer wieder neu anzufangen", so die evangelische Bischöfin.
Quelle: kathpress