
Scheuer zu Neujahr: Herausforderungen mit Mut und Hoffnung begegnen
Zu einer Grundentscheidung für Zuversicht und Lebensfreude hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer am Neujahrstag ermutigt. Angesichts vieler unvermeidbarer Krisen und Herausforderungen gehe es darum, welche "Grundmelodie" der Mensch für sein Leben wolle - wozu es seine bewusste, aktive Wahl brauche: Zwischen einem "Leben in Fülle" oder zu einem "Nein", bei dem man sich zumeist eher heraushalte und verweigere, sagte der Bischof bei seiner Neujahrspredigt am Donnerstag im Linzer Dom.
Scheuer verwies dabei auf zwei unterschiedliche philosophische Zugänge: Einerseits auf jenen von Gottfried Wilhelm Leibniz, der daran festgehalten habe, dass die Welt trotz aller Schwierigkeiten besser werden könne, wenn Menschen sich bemühen, das Beste daraus zu machen. Optimismus habe für ihn bedeutet, Chancen und Alternativen zu erkennen und nie aufzugeben. Dem stehe Arthur Schopenhauer gegenüber, dessen Pessimismus vor allem das Leid und die Probleme des Lebens gesehen, aber zugleich auf Mitgefühl und Solidarität als Grundlage für menschliches Handeln gesetzt habe.
Das Zusammenspiel beider Zugänge - der Bischof beschrieb sie als "zwei Flöten" - seien vonnöten: Die eine stehe für Leid, Tod, Klage und Ausgesetztsein, die andere für Hoffnung und Freude, und "beide gehören zum Leben", betonte Scheuer. Wichtig sei es, nicht zu verzweifeln, sondern beides anzunehmen und daraus Kraft zu schöpfen, um auch in Situationen der Ohnmacht immer wieder aufzustehen.
Bereits am Vortag hatte Scheuer in der Jahresschlussandacht auf die wahrgenommene Erschöpfung vieler Menschen in der Gesellschaft und auch in der Kirche hingewiesen. Gerade der Jahreswechsel sollte als Anlass genommen werden, "sich der Realität der eigenen Zeit bewusst zu stellen, anstatt sich in Nostalgie oder Sehnsucht nach besseren Zeiten zu verlieren", appellierte er. Wer akzeptiere, dass die Gegenwart die "Zeit unseres Lebens" und somit die einzige Realität sei, könne sich darum bemühen, "das Beste aus der aktuellen Situation zu machen, auch in schwierigen Zeiten".
Dabei sei es wichtig, "von der eigenen Freiheit und Verantwortung nicht davonzulaufen", unterstrich der Bischof. Christen sollten sich nicht die Frage stellen, was sie vom Leben erwarteten, sondern vielmehr umgekehrt, "was das Leben von mir erwartet, was ich an Hoffnung zu geben vermag". Dabei helfe es, sich des liebevollen und hoffenden Blicks anderer zu vergewissern - von Angehörigen, Freunden, Lebenden wie auch Verstorbenen sowie von Gott, der ebenfalls erwarte, "dass wir ihn nicht enttäuschen".
Scheuer schloss seine Predigt mit einem Verweis auf einen Ausspruchs des Jesuiten-Gründers Ignatius von Loyola: "Handle so, als ob alles von dir, nichts von Gott abhinge. Vertraue so auf Gott, als ob alles von Gott, nichts von dir abhinge." Es gebe auch eine "aufregendere und provokantere" Lesart dazu, bemerkte der Bischof: "Wir müssen so auf Gott vertrauen, als ob alles von uns, nichts von Gott abhinge. Wir müssen unsere Kräfte aber so einsetzen, als ob alles von Gott, nichts von uns abhinge."
Quelle: kathpress