
Bischof Krautwaschl ermutigt zu Reisen ins Heilige Land
Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl ermutigt nach einem mehrtägigen Solidaritätsbesuch in Jerusalem und Bethlehem zu Pilgerreisen ins Heilige Land. Bei den Begegnungen mit Vertretern der Ortskirche hätten diese deutlich gemacht, dass eine Rückkehr der Pilger essenziell für die Heilig-Land-Christen sei. "In diesen Tagen ist mir vor Augen geführt worden, dass die Lage im Land beruhigt und ein Besuch der heiligen Stätten jedenfalls möglich ist", so Bischof Krautwaschl am Montag. Vertreter des Lateinischen Patriarchats hätten zudem darauf hingewiesen, dass die Einnahmen aus dem Pilgertourismus neben Christen auch viele jüdische und muslimische Familien stützten, da das Miteinander von Konfessionen, Religionen und Ethnien gerade in diesem Bereich sehr ausgeprägt sei.
Krautwaschl traf im Rahmen der Reise von 1. bis 5. Jänner unter anderem mit dem Jerusalemer Patriarchen Kardinal Pierbattista Pizzaballa und dem Vatikan-Botschafter im Heiligen Land, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, zusammen. "Der Patriarch betonte die Wichtigkeit der christlichen Präsenz vor Ort als Zeichen der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft", berichtete der Grazer Bischof. Auch der Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes, Francesco Ielpo, hob demnach bei einer Begegnung die Sehnsucht auf die Rückkehr von Pilgerinnen und Pilgern an den 65 Heiligen Stätten, die in der Region von den Franziskanern betreut werden, hervor.
Im Süden Israels besuchte Bischof Krautwaschl zusammen mit einigen Begleiterinnen und Begleitern aus der Diözese Graz-Seckau auch den Kibbuz Kfar Azza nahe der Grenze zum Gazastreifen und die Gedenkstätte für die Opfer des Hamas-Angriffs auf Israel vom 7. Oktober 2023 auf dem Gelände des Nova-Festivals. Der Besuch an diesen Orten "machte beklemmend deutlich, was Terror zerstören kann", so Krautwaschl.
Im Lateinischen Patriarchat erkundigte sich Krautwaschl nach eigenen Angaben insbesondere auch nach dem Leben der Katholiken in der Pfarre Gaza, welche im 19. Jahrhundert vom Südtiroler Priester Georg Gatt, dem damaligen Vizerektor des Österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem, gegründet wurde.
Ermutigung für Christen vor Ort
Zu den weiteren Stationen der Solidaritätsreise zählte eine vom Grabesritterorden unterstützte Schule in der Stadt Bait Sahur (Beit Sahour) östlich von Bethlehem im Westjordanland. In der Schule mit angeschlossener Kinderkrippe und Kindergarten werden insgesamt über 700 Kinder begleitet, von denen rund 70 Prozent aus christlichen Familien stammen. Beim Treffen mit dem für die Schule zuständigen Bischof Yaser Rasmi Hanna Al-Ayyash und der Schuldirektorin Sawsan Victor Istephan sei deutlich geworden, dass gerade eine profunde Schulbildung der Abwanderung von Christinnen und Christen aus dem Heiligen Land entgegenwirkt.
"Unsere Besuche waren getragen von der Dankbarkeit für die Anwesenheit im Heiligen Land, als Zeichen der Ermutigung für die Christinnen und Christen vor Ort. Diese Dankbarkeit zog sich durch alle Begegnungen und Treffen", so Krautwaschl.
Religiöse Gewalt eine "Blasphemie"
Mit seiner steirischen Pilgergruppe feierte der Grazer Bischof unter anderem Gottesdienste in der Geburtskirche in Betlehem sowie der Grabeskirche und der deutschsprachigen Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem. In seiner Predigt am Neujahrstag in der Hauskapelle des Österreichischen Pilger-Hospizes in der Altstadt von Jerusalem erinnerte Krautwaschl an die große Sehnsucht nach Frieden unter den Menschen, gerade auch im Heiligen Land. Im "gemeinsamen Haus" der Staaten und Völker der Erde fehle es an Miteinander, beklagte der Bischof; zu oft stünden Machthierarchien und das eigene Wohl im Vordergrund.
Christen seien zur Solidarität gerufen, fügte Krautwaschl hinzu; nach dem Vorbild Jesus müssten sie sich auf alle Menschen einlassen und so den Weg zum Frieden ebnen. Mit Worten von Papst Leo XIV. aus dessen Botschaft zum Weltfriedenstag 2026 bezeichnete der Grazer Bischof religiöse Gewalt als "eine Blasphemie, die den heiligen Namen Gottes verdunkelt" und rief Gläubige auf, dieser Entwicklung mit einem glaubwürdigen Leben und einem intensiven ökumenischen und interreligiösen Dialog entgegenzutreten.
Quelle: kathpress