
Diözesen eröffnen Möglichkeit berufsbegleitender Priesterausbildung
Angesichts des Priestermangels in der katholischen Kirche und des hohen Anteils von sogenannten "Spätberufenen" unter den Neupriestern starten die österreichischen Erzdiözesen und Diözesen einen neuen Ausbildungsweg zum Priestertum. Speziell für Männer zwischen 45 und 60 Jahren, die sich bereits im Berufsleben bewährt haben oder alternative Möglichkeiten suchen, gibt es künftig auch einen "Zweiten Weg für Spätberufene", teilte die Regentenkonferenz der Priesterseminare Österreichs am Montag mit.
Die neue Form berücksichtigt laut Aussendung die Lebensrealität der Kandidaten und ermöglicht es, sich auch neben der beruflichen Tätigkeit zum Priesterberuf auszubilden. "Männer, die bereits Verantwortung getragen haben", sollen dadurch ermutigt werden, "ihre Gaben für die Kirche einzusetzen". Die Kirche in Österreich begleite diese Berufungen mit großer Sorgfalt und freue sich auf die neuen Mitbrüder, hieß es. Interessierte Kandidaten seien eingeladen, sich an ihr lokales Priesterseminar oder die Berufungspastoral der einzelnen Diözesen zu wenden.
Spätberufene bringen "eine entwickelte Persönlichkeit und vielfältige Lebenserfahrungen" mit, welche in die Formation einfließen sollen, hieß es zuletzt im Dokument "Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis" des römischen Dikasterium für den Klerus. Auch die Regentenkonferenz bezeichnet diese Gruppe als "wertvolle Bereicherung für die Kirche, da sie ihre beruflichen Kompetenzen in den Dienst der Gemeinde stellen können". Umgesetzt werde dies in Österreich künftig durch ein persönlich abgestimmtes Programm, das über den regulären Ausbildungsrahmen der Priesterseminare hinaus individuelle Anpassungen erlaubt.
Grundlegende Elemente für diese spezielle Gruppe von Priesteramtsanwärtern sind einerseits das theologische Studium auf Bachelor-Niveau oder höher, an einer Hochschule, Universität oder auch per Fernstudium; auch ein rein kirchlicher Abschluss soll möglich sein. Andererseits findet die Ausbildung und Begleitung auf praktischer und spiritueller Ebene in den jeweiligen Priesterseminaren statt. Individuell werden dabei Ausbildungsschritte vereinbart, welche auch die beruflichen Verpflichtungen berücksichtigen, mit dem Ziel, alle notwendigen theologischen und spirituellen Kompetenzen zu erarbeiten.
Die Regeln für den neuen Ausbildungsweg beschreiben auch den Übergang vom Zivilberuf zum priesterlichen Dienst. "In Ausnahmefällen" könne der Kandidat seinen Zivilberuf auch nach der Priesterweihe "in einem adäquaten Umfang" ausüben, wobei die Diözese vor der Aufnahme unter die Kandidaten für die Diakonen- und Priesterweihe - die sogenannte "Admissio" - endgültig darüber entscheidet. Vorab muss jede Unvereinbarkeit des Berufs mit dem priesterlichen Amt geprüft werden; politische Ämter sind zwingend vor der Admissio niederzulegen.
Quelle: kathpress