
Caritas: Kältetelefon lieber zu oft als einmal zu wenig anrufen
Angesichts anhaltend eisiger Temperaturen hat die Wiener Caritas ihren Aufruf zur Mithilfe der Bevölkerung beim Verhindern von Erfrierungen erneuert. Für obdachlose Menschen seien derzeit vor allem die Nächte lebensgefährlich, betonte die kirchliche Hilfsorganisation am Mittwoch. Hinweise über das Kältetelefon, wenn unversorgte Obdachlose im Freien gesichtet werden, könnten mitunter Leben retten. "Wer uns anruft, hat schon vieles richtig gemacht! Denn die goldene Regel lautet: Rufen Sie lieber einmal zu oft beim Kältetelefon als einmal zu wenig", betonte die Kältetelefon-Verantwortliche Susanne Peter, die auch selbst als Streetworkerin im Einsatz ist.
Streetwork-Teams der Caritas haben in den jüngsten Tagen bereits erste Unterkühlungen und sogenannten Kältestress bei Obdachlosen in der Bundeshauptstadt festgestellt. Bisher habe man den Betroffenen dank Anrufen beim Kältetelefon sowie der professionellen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Streetwork- und Rettungsdiensten noch rechtzeitig helfen können: Die Teams der Kältebusse, der Suppenbusse und des Louisebusses - einer rollenden medizinischen Ambulanz der Caritas - seien derzeit in ständiger Alarmbereitschaft, informierte Caritasdirektor Klaus Schwertner.
5.600 Anrufe hat das Caritas-Kältetelefon allein in Wien - die dortige Rufnummer lautet 01-4804553 - im heurigen Winter bereits entgegengenommen, was in 200 Fällen zur Vermittlung eines Notquartiers geführt habe. Den anderen verteilen Streetwork-Teams der Caritas winterfeste Schlafsäcke sowie trockenes und wärmendes Gewand. Wichtig sei in der Begegnung mit Obdachlosen auch, diese anzusprechen, betonte Peter. "Sprechen Sie sie an, fragen Sie sie, ob sie Hilfe benötigt und achten Sie darauf, ob die Person ausreichend vor Kälte geschützt ist." In allen medizinischen Notfällen sei die Notrufnummer 144 zu wählen.
In den Notquartieren Wiens selbst war der Andrang in den vergangenen Tagen und Nächten wegen der tiefen Temperaturen sehr hoch, mit einer Auslastung von fast 100 Prozent. Die Caritas begrüßte die jüngst geschehene Aufstockung des Angebots durch den Fonds Soziales Wien um 30 Plätze, womit in Summe aktuell knapp 1.000 Schlafplätze im Rahmen der städtischen Winternothilfe in ganz Wien zur Verfügung stehen. 60 Betten davon sind in der "Gruft" der Caritas, die derzeit Vollbelegung vermeldet. In Abstimmung mit dem Fonds Soziales Wien wurden jüngst bei der Caritas weitere 140 Notquartiersbetten bereitgestellt, zusätzlich zu den 1.971 Beherbergungs- und Notquartiersplätzen, die die Caritas in Wien ganzjährig zur Verfügung stellt.
Intensiv nachgefragt werden außerdem warme Mahlzeiten: 250 davon werden in der "Gruft" aktuell täglich ausgegeben, hunderte weitere in den insgesamt 43 Caritas-Wärmestuben, die in verschiedenen Wiener Pfarren eingerichtet sind. Spenden seien dringend nötig, um die Hilfsangebote weiter aufrechterhalten zu können, betonte Schwertner: So könne etwa um 70 Euro für ein Gruft-Winterpaket ein winterfester Schlafsack mit sieben warmen Mahlzeiten finanziert werden. Auch Sachspenden werden gebraucht, allen voran waschbare Wolldecken, winterfeste Stiefel oder auch Hygieneprodukte.
Alarmiert zeigte sich die Caritas über die bevorstehende Schließung des letzten Ankunftszentrums für Ukraine-Flüchtlinge. "Wie es ab 9. Jänner weitergeht, ist völlig offen", so Schwertner, der vom Innenministerium und den Bundesländern dringenden Einsatz verlangte, "um Obdachlosigkeit bei ukrainischen Familien mit Kindern, älteren oder chronisch kranken Menschen in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in Österreich zu verhindern". Ohne Einlenken in letzter Minute werde der Druck auf die Notquartiere steigen und dramatische Situationen seien absehbar.
Österreichweit sind im Winter verschiedene Kältetelefone erreichbar: In Wien rund um die Uhr unter 01/4804-553, im Burgenland von 8 bis 22 Uhr unter 0676/8373-0322, in der Steiermark von 18 bis 24 Uhr unter 0676/8801-58111, in Kärnten abends und nachts unter 0463/3960-60 und in Salzburg durchgehend unter 0676/8482-10651. Tirol bietet 24-Stunden-Hilfe unter 0512/2144-7, Vorarlberg erreicht man unter 05522/200-1700 (Notschlafstelle nachts: 05522/200-1200). In Oberösterreich gilt für Linz 0732/7767-67560, während Niederösterreich kein eigenes Kältetelefon hat, aber Notschlafstellen in mehreren Städten.
(Spendeninfo: Caritas Spendenkonto IBAN: AT47 2011 1890 8900 0000, Kennwort: "Gruft Winterpaket", Online-Spenden unter www.gruft.at oder wirhelfen.shop/winterpaket)
Quelle: kathpress