
Papst an Kardinäle: Helft mir bei der Leitung der Kirche
Papst Leo XIV. hat die Kardinäle der katholischen Kirche gebeten, ihn bei der Leitung der Weltkirche zu unterstützen. Zu Beginn eines Spitzentreffens am Mittwoch im Vatikan sagte er, er wolle mit ihnen "ein Gespräch führen, das mir in meinem Dienst für die Mission der gesamten Kirche hilft". Zu dem sogenannten außerordentlichen Konsistorium hatte Leo alle 245 Kardinäle der Weltkirche eingeladen. Anwesend waren laut Vatikan-Angaben 170 von ihnen.
Bis Donnerstagabend werden diese hinter verschlossenen Türen zwei von vier von Leo vorgeschlagenen Themen beraten, über die er zu Beginn der Sitzung abstimmen ließ. Mit großer Mehrheit hätten die Kardinäle sich für "die Mission der Kirche in der Welt von heute" und "Synode und Synodalität, Instrument und Stil der Zusammenarbeit" entschieden, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni am Mittwochabend vor Journalisten mit.
Zwei Themen vertagt
Die Themen "Der Dienst des Heiligen Stuhls" sowie "Liturgie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens" sollen zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden. Eine Befassung mit dem Thema Liturgie hatten vor allem konservative Kreise in der katholischen Kirche gewünscht, die mehr Raum für die Feier der alten lateinischen Messe wünschen.
Am Donnerstag sollen die beiden gewählten Schwerpunkte mit Blick auf die nächsten ein oder zwei Jahre besprochen werden, so der Papst. Die Leitfrage dazu laute: "Welche Schwerpunkte und Prioritäten könnten das Handeln des Heiligen Vaters und der Kurie in dieser Frage leiten?"
Einheit und Brüderlichkeit
In seiner Rede rief Leo XIV. die Kardinäle zu Einheit und Brüderlichkeit auf. Er sei "hier, um zuzuhören", sagte der Papst. "Die Welt, in der wir leben und die in all ihrer Widersprüchlichkeit zu lieben und ihr zu dienen wir berufen sind, verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung."
Die Entscheidung für die beiden Themen sei "mit sehr großer Mehrheit" gefallen, erklärte Vatikansprecher Bruni. Die Kardinäle seien in 20 Gruppen aufgeteilt gewesen. Die über 80-jährigen Kardinäle, die bei einem Konklave nicht mehr wahlberechtigt wären, waren zusammen mit den Kurienkardinälen auf elf Tische aufgeteilt. Die Kardinäle aus der Weltkirche unter 80 saßen an neun anderen Tischen. Jeder Tisch gab ein mehrheitliches Votum ab.
Zentrale Ideen von Papst Franziskus
Mit ihrer Themen-Auswahl knüpften die Kardinäle an zwei zentrale Ideen des verstorbenen Papstes Franziskus (2013-2025) an. Dieser hatte die katholische Kirche zu Beginn seines Pontifikats im Jahr 2013 mit der Grundsatzerklärung "Evangelii gaudium" auf eine offenere Seelsorge und eine dynamischere Verkündigung ihrer Botschaft eingeschworen. Diesen Text wollen die in Rom versammelten Kardinäle nun erneut ins Zentrum ihrer Überlegungen stellen.
In der Spätphase seines Pontifikats hatte Franziskus die Idee der "Synodalität" forciert. Mit diesem Prinzip wurde neben den Bischöfen auch anderen Mitgliedern der Kirche mehr Möglichkeiten der Mitsprache eingeräumt. Theologisch und kirchenrechtlich ist diese Neuerung bislang noch nicht vollständig abgesichert, so dass unter den Kardinälen hierüber noch Diskussionsbedarf besteht.
Quelle: kathpress