
Islamwissenschaftler: Plädoyer für Schulterschluss der Religionen
Für einen Schulterschluss der Religionen im Einsatz für den Frieden plädiert der afghanisch-deutsche Religionsphilosoph, Islamwissenschaftler und Schriftsteller Ahmad Milad Karimi. In der Sendung "Perspektiven auf" "Radio Klassik Stephansdom" reflektiert er seine Überlegungen zum Frieden, den Dialog der Religionen und wie er vom Flüchtlingskind zum Uniprofessor wurde. "Wir müssen gemeinsame Wege des Friedens gehen", so Karimi. Die Sendung wird am Montag, 12. Jänner, um 17.30 Uhr ausgestrahlt und ist danach auch im Podcast unter www.radioklassik.at abrufbar.
Ahmad Milad Karimi stammt aus Afghanistan. Im Alter von 13 Jahren flüchtete er mit seinen Eltern aus dem von den Taliban restriktiv geführten Land. Heute ist er Professor für Islamische Philosophie und Mystik an der Universität Münster und stellvertretender Direktor des Zentrums für Islamische Theologie in Münster.
Darauf angesprochen, dass sich im Koran sowohl Verse finden, die zu Gewalt aufrufen, als auch solche, die Gewaltlosigkeit und Frieden propagieren, sagt Karimi: "Es geht darum, dass der Islam im Grunde genommen deshalb zum Frieden verpflichtet, weil es zum Frieden aus islamischer Sicht keine Alternative gibt. Frieden ist das Einzige, was im Grunde genommen alternativlos zu gelten hat. Denn nur im Frieden kann ich mich Gott ganz und gar zuwenden."
Das Streben nach Gott sei ein Streben nach Frieden, so Karimi: "Gott hat keinen Namen, der Krieg heißen würde oder Gewalt. Mein Leben in Frieden leben heißt, mein Leben in mehrfacher Hinsicht anzunehmen: Ja zu meinem eigenen Leben sagen, ja zum Du sagen, mit dem ich lebe, ja zur Schöpfung sagen, und mich auch mit meinem Gott versöhnen"
Karimi sprach im Herbst 2025 beim Dies Facultatis der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und war auch Redner bei den Österreichischen Ordenstagungen im November im Kardinal König-Haus. Gemeinsam mit dem deutschen Benediktinerpater Anselm Grün verfasste Karimi mehrere Bücher, in denen der islamische Religionsphilosoph und der Mönch in Dialogen eine Brücke zwischen christlicher und islamischer Spiritualität schlagen, um gegenseitiges Verständnis zu fördern, Differenzen zu beleuchten und gemeinsame Wege in einer offenen Gesellschaft zu finden.
Über Pater Anselm Grün sagt Karimi im "Radio Klassik"-Gespräch: "Mich bewegt er unglaublich, als Mensch in seiner besonderen Haltung. Wenn er über Christus spricht, dann strahlen seine Augen, wenn er über die Kirche spricht, dann blüht er auf. Und in diesem Aufblühen, in diesem Strahlen ist er unendlich jung, trotz seines Alters". Karimi betont, er habe sich von Anselm Grün "das Christentum erklären lassen und vieles von ihm gelernt". In dieser Weise hätten beide diese gemeinsamen Bücher geschrieben, "die nicht nur grundlegend über den Dialog sprechen im Herzen der Spiritualität, sondern auch über den Frieden, wo wir beide versuchen, zu verstehen, was ist eigentlich der Auftrag unserer Religionen? Worum geht es, wenn es um Frieden geht?"
Nachsatz: "Ich finde, dass wir religiöse Menschen, egal welcher Religion wir auch angehören, es uns in der globalen, modernen Welt nicht mehr leisten können, Einzelkämpfer zu sein."
Quelle: Kathpress