
Berufsbegleitend ins Priesteramt
"Zweiter Weg" bleibt an Seminare gekoppelt
Berufsbegleitend ins Priesteramt
"Zweiter Weg" bleibt an Seminare gekoppelt
Der von den österreichischen Diözesen für die Gruppe der sogenannten "Spätberufenen" - also Männer zwischen 45 und 60 Jahren, die bereits im Berufsleben stehen - eröffnete "zweite Weg" einer berufsbegleitenden Priesterausbildung soll die moderne Lebensrealität mit wichtigen Elementen der klassischen Ausbildung in den Priesterseminaren verbinden. Das hat der Regens der Priesterseminare der Diözese Wien, St. Pölten und Eisenstadt, Richard Tatzreiter, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress betont.
Tatzreiter reagierte damit auf Kritik, die von christlichen Basisgemeinden geäußert wurde, wonach der neue, "zweite Weg" durch individualisierte Ausbildungsformen eine "Kirche für Einzelgänger" fördern würde. Dies sei nicht der Fall und nicht das Ziel, so Tatzreiter. Auch könne keine Rede von einem "Vorbeischleusen" der Kandidaten an den regulären Priesterseminaren sein, wie es die Basisgemeinden vermuteten. Die von den Basisgemeinden zurecht geforderten Momente der gemeinschaftlichen Sozialisation würden auch im neuen Konzept berücksichtigt.
"Die Unterschiedlichkeit der Wege wird an eine Gemeinsamkeit, die durch die Zugehörigkeit zum Priesterseminar und die darin verbürgten konkreten Lernprozesse sichergestellt werden, zurückgebunden."
Insgesamt zielen die neuen Leitlinien laut Tatzreiter darauf, den Graben zwischen einem vollständig individuellen Lebens- und Ausbildungsweg und den wichtigen "Learnings" der Kandidaten in den Seminaren gerade zu überbrücken: "Die Unterschiedlichkeit der Wege wird an eine Gemeinsamkeit, die durch die Zugehörigkeit zum Priesterseminar und die darin verbürgten konkreten Lernprozesse sichergestellt werden, zurückgebunden."
Handlungsbedarf bestand schon länger
Dass es Handlungsbedarf zur Normierung und klaren Regelung gab, habe sich schon lange abgezeichnet - schließlich gebe es seit Jahren immer wieder Interessenten mittleren oder fortgeschrittenen Alters, die häufig aus Handwerks- oder Dienstleistungsberufen oder aus einer akademischen Berufstätigkeit kommen, für die aber ein vollständiger Bruch mit ihrem Zivilberuf schon während der Ausbildungszeit in einem Priesterseminar kein attraktiver oder praktisch gangbarer Weg sei. "Zudem gab es in den letzten Jahren vereinzelt Beispiele für die Entscheidung, dass ein Diözesanpriester seinen ursprünglichen Zivilberuf in Verbindung mit seiner priesterlichen Tätigkeit weiter auszuüben beauftragt wurde." Auf diese neuen Realitäten habe man mit dem "zweiten Weg" reagiert, so Tatzreiter.

Regens Richard Tatzreiter
Bestärkt sehen sich die österreichischen Priesterausbildungsstätten mit diesem Angebot auch durch die internationalen positiven Reaktionen, die der "zweite Weg" ausgelöst habe. Man habe damit eine "Innovation" geschaffen, erste Signale auch aus der "kleinen, aber wachsenden Zielgruppe der Interessenten" seien ermutigend; nun müsse sich das Konzept jedoch noch bewähren, so der Regens.
Grundlagen des neuen, "zweiten Weges" bleiben einerseits das theologische Studium zumindest auf Bachelor-Niveau oder höher, an einer Hochschule, Universität oder auch per Fernstudium; auch ein rein kirchlicher Abschluss soll möglich sein. Andererseits findet die Ausbildung und Begleitung auf praktischer und spiritueller Ebene in den jeweiligen Priesterseminaren statt. Individuell werden dabei Ausbildungsschritte vereinbart, welche auch die beruflichen Verpflichtungen berücksichtigen, mit dem Ziel, alle notwendigen theologischen und spirituellen Kompetenzen zu erarbeiten.
Die Regeln für den neuen Ausbildungsweg beschreiben auch den Übergang vom Zivilberuf zum priesterlichen Dienst. "In Ausnahmefällen" könne der Kandidat seinen Zivilberuf auch nach der Priesterweihe "in einem adäquaten Umfang" ausüben, wobei die Diözese vor der Aufnahme unter die Kandidaten für die Diakonen- und Priesterweihe - die sogenannte "Admissio" - endgültig darüber entscheidet. Vorab muss jede Unvereinbarkeit des Berufs mit dem priesterlichen Amt geprüft werden; politische Ämter sind zwingend vor der Admissio niederzulegen.
Quelle: Kathpress