Barmherzige Brüder: Zentrale Weichenstellungen bei Provinzkapitel
Am Montag, 19. Jänner, beginnt in Wien das erste Kapitel der neuen Provinz "Europa Mitte" der Barmherzigen Brüder. Die Delegierten wählen den neuen Provinzial, seine engsten Mitarbeiter und setzen inhaltliche Weichenstellungen für die kommenden Jahre. Die Österreichische und Bayrische Ordensprovinz haben 2025 einen Vereinigungsprozess begonnen, der nun mit dem mehrtägigen Kapitel abgeschlossen wird. Der Sitz des Provinzialrates der künftigen "Ordensprovinz Europa Mitte" wird in Wien sein. Zur Österreichischen Provinz gehörten schon bisher auch Tschechien, die Slowakei und Ungarn.
In der neuen Ordensprovinz mit Standorten in Bayern, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei betreiben die Barmherzigen Brüder Spitäler sowie zahlreiche weitere Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, Lebenswelten für Menschen mit Behinderungen, eine Therapiestation für Drogenkranke, Hospize sowie Kur- und Wellnesseinrichtungen. In diesen Einrichtungen gibt es fast 5.800 Krankenhausbetten und über 800 Betreuungsplätze für ältere Menschen. Weiters werden fast 4.000 Menschen mit Behinderungen betreut und annähernd 1.000 Menschen in Berufen des Sozial- und Gesundheitswesens ausgebildet. Die neue Provinz zählt rund 25.000 Mitarbeitende.
Die Vereinigung bezieht sich vor allem auf die Verwaltung des brüderlichen Bereichs und die Leitungsgremien des Ordens. Die einzelnen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Krankenhäuser, Hospize und viele andere Werke des Gesundheits- und Sozialsystems sowie die Konvente sind in ihrem Tun und Handeln nicht direkt betroffen. An ihren Namen oder ihrer Rechtspersönlichkeit gibt es keine Änderungen. Ebenso bleibt die Rechtspersönlichkeit der Ordensprovinz erhalten, die in Österreich aufgrund des Konkordats von 1933 die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts innehat.
Der bisherige Österreich-Provinzial Frater Saji Mullankuzhy erläuterte im Magazin "Misericordia" der Barmherzigen Brüder die seiner Meinung nach zentralen Herausforderungen für den künftigen Provinzial: "Unsere Provinz umfasst nun fünf Länder. Diese Koordination wird eine große Aufgabe." Zweites Hauptaugenmerk müsse auf der Nachwuchsfrage liegen: "Die Zahl der Mitbrüder nimmt ab. Ich wünsche mir, dass sie wieder wächst. Das muss ein zentrales Anliegen bleiben." Dafür brauche der neue Provinzial ein "Herz" - für die Brüder, aber auch für die Mitarbeitenden, erläuterte Frater Mullankuzhy: "Er muss mit allen gut umgehen können. Mit den Brüdern, mit den leitenden Personen, mit den Mitarbeitenden."
Neben organisatorischer Kompetenz sei vor allem eine "charismatische Leitung" gefragt, die Spiritualität und Menschlichkeit verbindet. "Es geht nicht nur um wirtschaftliche Themen, sondern um das Charisma der Hospitalität", so Mullankuzhy.
Mullankuzhy wurde schon im Herbst 2024 zum zweiten von insgesamt fünf Generalräten des Gesamtordens gewählt. Er betreut in dieser Position die Provinzen Europa Mitte, Polen und Westeuropa. Zusätzlich hat er den Vorsitz zweier Generalkommissionen: zum Thema Prävention von Missbrauch und Gewalt sowie zum Thema Klimaschutz. "In diesen Kommissionen werden Richtlinien für den Gesamtorden entwickelt. Es ist meine Aufgabe, ihre Umsetzung zu begleiten." v Das Provinzkapitel in Wien ist der Auftakt für anstehende Kapitel in allen Provinzen des weltweit tätigen Ordens. In den kommenden Wochen und Monaten finden entsprechende Versammlungen in allen 17 Provinzen statt. Die Barmherzigen Brüder sind in 55 Staaten mit rund 440 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens auf allen Kontinenten vertreten. Geführt werden die Einrichtungen von weltweit 965 Ordensbrüdern gemeinsam mit etwa 65.000 haupt- und 35.000 ehrenamtlich Mitarbeitenden.
Quelle: Kathpress
