
Wien: Metropolit weist russische Angriffe auf Bartholomaios zurück
Der Wiener orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) ist dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zur Seite gerückt und hat in einer offiziellen Erklärung die jüngsten Vorwürfe vonseiten Russlands gegen Bartholomaios zurückgewiesen. Die Vorwürfe seien haltlos und letztlich "Symptome einer geistlichen Krankheit", die sich nicht auf die Grenzen der Diplomatie beschränkt, sondern den Kern des kirchlichen Selbstverständnisses berühre, wie der Metropolit schreibt, der damit auch die vorbehaltlose Unterstützung der Politik Wladimir Putins durch die russisch-orthodoxe Kirchenleitung kritisiert.
Der Metropolit weiter: "Wenn die Kirche mit dem Staat verwechselt wird und der Glaube sich mit nationalen Strategien identifiziert, dann wird das Evangelium verfälscht." Die Orthodoxie sei keine Ideologie kultureller Überlegenheit und auch kein Vehikel imperialer Visionen. Jeder Versuch, die Kirche "in ein Banner geopolitischer Macht zu verwandeln, verrät sie von innen heraus".
Dass das Ökumenische Patriarchat politische Interessen verfolgt, weist der Metropolit zurück. Es gehe der russischen Seite darum, Verwirrung zu schaffen. Das Ökumenische Patriarchat sei kein Machtmechanismus und kein Werkzeug der Geopolitik. Der Metropolit spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "Entstellung des Glaubens" und hält fest: "Wo die Verwirrung herrscht, dort weicht die Wahrheit zurück und ihren Platz nimmt die Ideologie ein". Damit sei auch die "Seele unserer Orthodoxie" in Gefahr.
Der Metropolit zeigt sich mehrfach enttäuscht von der Russisch-orthodoxen Kirche: "Es schmerzt uns tief, dass Brüder sich gegen die Quelle ihrer eigenen geistlichen Geburt wenden." Kardamakis weiter wörtlich: "Von Konstantinopel aus wurden die Slawen erleuchtet, dort empfingen sie die Taufe, die Schrift, ihre liturgische Sprache, ihre theologische Identität. Diese Beziehung ist keine Beziehung der Herrschaft, sondern der Mutterschaft. Und die Mutterschaft wird nicht in Begriffen der Macht gemessen, sondern in Begriffen des Opfers und des Gedächtnisses."
Wenn sich das Ökumenische Patriarchat nun zur Wehr setzt, dann sei das kein Akt des Nationalismus, so Kardamakis: "Wir verteidigen das Recht der Orthodoxie, Kirche zu bleiben und kein ideologisches Anhängsel irgendeiner Macht zu sein." Im "Lärm der Zeiten" bleibe der Phanar - der Amtssitz des Ökumenischen Patriarchats - unbequem, "weil er daran erinnert, dass die Kirche nicht von der Macht lebt, sondern vom Dienst". Nachsatz: "Vielleicht ist es genau das, was jene fürchten, die ihn bekämpfen." Die Erklärung des Metropoliten wurde auf der Website der Metropolis von Austria (www.metropolisvonaustria.at) veröffentlicht.
Russische Kritik an Bartholomaios
Die russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte vor einer Woche eine Mitteilung des Geheimdienstes, wonach Patriarch Bartholomaios auf verschiedene Weise versuche, die Orthodoxie zu spalten, sich politisch in zahlreichen Ländern einzumischen und Zwietracht zu sähen. Die Rede war von einem "aggressiven Machthunger" des "heimtückischen" Patriarchen. Bartholomaios arbeite etwa aktiv mit dem britischen Geheimdienst zusammen, um in europäischen Ländern die Russisch-orthodoxe Kirche zu schwächen.
Besonders umtriebig sei der Patriarch im Baltikum, wo er sich zudem auf ideologischen Verbündeten stütze, die in der Mitteilung als lokale Nationalisten und Neonazis bezeichnet werden. Ziel sei es, die litauischen, lettischen und estnischen orthodoxen Kirchen vom Moskauer Patriarchat zu trennen und Priester und ihre Gemeinden in Marionetten-Religionsstrukturen zu locken, die von Konstantinopel künstlich geschaffen wurden.
Der "aggressive Machthunger" des Patriarchen von Konstantinopel beschränke sich aber nicht auf die Ukraine und das Baltikum. Die "Heimtücke" des Patriarchen greife von Osteuropa auch auf den Balkan über. So wolle Bartholomaios der umstrittenen und nicht anerkannten montenegrinischen Orthodoxen Kirche die Unabhängigkeit gewähren, um damit der Serbisch-orthodoxen Kirche eines auszuwischen, wie es in der Mitteilung hieß. In kirchlichen Kreisen werde beobachtet, so der besorgte Geheimdienst, dass Bartholomaios den "lebendigen Leib der Kirche buchstäblich zerreißt".
Quelle: kathpress