
Mentale Gesundheit: Studie zeigt leichte Entspannung bei Jugendlichen
Die psychische Lage von Schülern in Österreich hat sich zuletzt leicht verbessert. Das geht aus der aktuellen "mental health days"-Studie hervor, die am Montag in Wien präsentiert wurde. Grundlage sind Befragungen von rund 8.000 Schülerinnen und Schülern mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren. "Wir sehen erstmals seit Jahren eine messbare Zunahme der Lebenszufriedenheit", sagte Studienautor Thomas Dienlin von der Universität Zürich.
78 Prozent der Befragten gaben an, insgesamt zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Besonders hoch ist die Zufriedenheit mit Freunden und Familie, niedriger mit Schule und eigenem Aussehen. Im Dreijahresvergleich stieg der Durchschnittswert der Lebenszufriedenheit zuletzt um 0,2 Skalenpunkte. "Das ist kein großer Sprung, aber eine stabile positive Entwicklung", so Dienlin. Gleichzeitig ging der Anteil jener Schüler zurück, die eine ausgeprägte depressive Symptomatik aufweisen. Lag dieser Wert 2024 noch bei rund 15 Prozent, sank er 2025 auf etwa 12 Prozent.
"Ein Rückgang um drei Prozentpunkte ist bei so großen Stichproben bemerkenswert", sagte Dienlin, betonte jedoch, dass das Niveau weiterhin über dem Stand vor der Corona-Pandemie liege. Immer noch berichtete eine Mehrheit der Jugendlichen von zumindest zeitweiser Niedergeschlagenheit oder Erschöpfung, und mehr als ein Viertel gab an, in den vergangenen zwei Wochen Gedanken an Selbstverletzung gehabt zu haben. Besonders belastet zeigten sich Jugendliche ohne österreichische Staatsbürgerschaft, jene, die nicht mit beiden Elternteilen leben, sowie Jugendliche, die sich als divers identifizieren.
Mediennutzung und Wohlbefinden
Die Studie untersuchte auch die Mediennutzung. Smartphones bleiben das meistgenutzte Medium, gefolgt von Messengern, Streaming, Videospielen und sozialen Netzwerken. Im Vergleich zum Vorjahr sank die tägliche Smartphone-Nutzung im Schnitt um rund 30 Minuten, soziale Netzwerke wurden etwa 15 Minuten weniger genutzt. Initiator Golli Marboe nannte strukturelle Effekte als mögliche Gründe: "Das Smartphoneverbot an Schulen erklärt einen Teil dieses Rückgangs." Eine Zunahme gab es gleichzeitig bei der Nutzung von KI-Anwendungen.
In der Auswertung des Zusammenhangs mit der psychischen Gesundheit zeigten sich Unterschiede zwischen den Medienformen. Eine häufige Nutzung sozialer Netzwerke ging mit geringerer Lebenszufriedenheit und mehr depressiven Symptomen einher. "Diese potenziell negativen Effekte sehen wir vor allem bei Mädchen und bei jüngeren Nutzern", sagte Dienlin. Messenger-Dienste, Streaming und Nachrichtenkonsum zeigten hingegen keine negativen Zusammenhänge.
Problematische Inhalte kommen laut Studie weiterhin vor. Rund ein Drittel der Befragten gab an, zumindest gelegentlich Berichte über Suizid gesehen zu haben, etwa zehn Prozent berichteten von Suizidvideos. "Das ist nicht häufig, aber es ist besorgniserregend", sagte Dienlin. Gleichzeitig hätten zwei Drittel noch nie Hinweise auf Hilfsangebote oder Suizidprävention gesehen.
Thematisieren entlastet
Im internationalen Vergleich ordnete der Kinder- und Jugendpsychiater Paul Plener die Ergebnisse ein. Weltweite Studien zeigten seit etwa 2015 eine Trendwende. "Nicht mehr Menschen im mittleren Alter, sondern Jugendliche sind heute die Gruppe mit der geringsten Lebenszufriedenheit", sagte Plener. Psychische Erkrankungen seien laut WHO inzwischen die häufigsten nicht tödlichen Erkrankungen bei Fünf- bis 24-Jährigen.
Belastungsfaktoren seien unter anderem soziale Ungleichheit, Leistungsdruck, Krisenwahrnehmung und negative Erfahrungen im sozialen Umfeld. Prävention sei dennoch wirksam. "Es ist empirisch belegt, dass Reden über psychische Gesundheit nicht schadet, sondern entlastet", sagte Plener. Resilienzfördernde Programme in Schulen könnten messbare Effekte erzielen.
Marboe betonte, dass die aktuellen Studiendaten ein Hinweis darauf seien, dass Prävention wirke. Zugleich sprach er sich für bewusst medienärmere Lebenswelten aus. Weniger Nutzung sozialer Medien tue Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen gut. "Eine Schule ohne Handy scheint einen positiven Effekt zu haben", so der Medien- und Präventionsexperte, der weiters auch für "mehr Verteilungsgerechtigkeit" plädierte: Eine wichtige Maßnahme zur psychischen Gesundheit sei auch verstärktes "Kümmern um jene, die nicht die gleichen Möglichkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen".
Schultag für psychische Gesundheit
Die präsentierten Daten stammen aus dem Umfeld der "mental health days", einem Präventionsangebot des Vereins zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien. Die mental health days finden einmal jährlich an teilnehmenden Schulen statt und richten sich an alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs sowie an Lehrende wie Eltern. Thematisiert werden dabei unter anderem Mobbing, Leistungsdruck, Sucht, Depression, Suizidalität und Mediennutzung. Dem Initiator Marboe zufolge geht es darum, "vorzubeugen statt zu sanieren", für Gefühle Worte zu finden "und zu wissen, wo es Hilfe gibt". Das Sorgen um die psychische Gesundheit solle so selbstverständlich werden wie um die körperliche.
Derzeit werden die mental health days an rund 300 Schulen in allen Bundesländern umgesetzt und erreichen laut Verein etwa 95.000 Schüler. "Unser Ziel ist, dass unser Angebot eines Tages so selbstverständlich ist wie ein Sportfest", sagte Marboe, der auch auf eine internationale Vorbildrolle Österreichs hofft. Voraussetzung dafür sei jedoch zusätzliche Finanzierung, da die Warteliste interessierter Schulen lang sei. (Infos: www.mentalhealthdays.eu)
Quelle: kathpress