
Armenische Kirche hält Bischofsversammlung in St. Pölten ab
In Niederösterreich findet Mitte Februar eine Versammlung aller Bischöfe der Armenisch-apostolischen Kirche statt. Unter dem Vorsitz von Katholikos Karekin II. werden sich rund 55 Bischöfe aus aller Welt in St. Pölten treffen. Die Versammlung findet im Hippolythaus der katholischen Diözese St. Pölten statt. Gastgeber Bischof Alois Schwarz und das armenische Kirchenoberhaupt Karekin II. sind seit ihrer Studienzeit freundschaftlich verbunden. Der St. Pöltner Bischof pflegt aber auch gute Beziehungen zum aktuellen Wiener armenischen Bischof Tiran Petrosyan, der federführend das Bischofstreffen in der niederösterreichischen Landeshauptstadt organisiert.
Hintergrund der Bischofsversammlung sind die jüngsten dramatischen Entwicklungen in Armenien selbst, wo der Konflikt zwischen der Kirchenleitung und der aktuellen Regierung zunehmend eskaliert ist. Einige Bischöfe sind bereits in Haft, die Regierung fordert die Absetzung des Katholikos. Einige Bischöfe stehen zugleich seit Kurzem in Opposition zum Kirchenoberhaupt. Eine Versammlung am Sitz der Armenisch-apostolischen Kirche in Etschmiadzin bei Jerewan ist aus all diesen Gründen derzeit nicht möglich. St. Pölten dient als Ausweichquartier. Das höchste Gremium der Armenisch-apostolischen Kirche wird demnach beraten, wie es im aktuellen Konflikt weitergehen soll.
Bischof Petrosyan und Bischof Schwarz bestätigten auf Anfrage der Nachrichtenagentur Kathpress das geplante mehrtägige Bischofstreffen. Weitere Auskünfte bzw. Details könne man derzeit noch nicht bekannt geben.
Die Armenisch-apostolische Kirche gehört zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Die Armenier können von sich behaupten, das älteste christliche Staatsvolk der Welt zu sein. 301 erhob der armenische König Trdat III. das Christentum zur Staatsreligion. Der kirchlichen Tradition nach sollen schon im 1. Jahrhundert die Apostel Judas und Thaddäus das Christentum nach Armenien gebracht haben. Deshalb bezeichnet sich die Kirche selbst auch als Armenisch-apostolische Kirche. Heute bekennen sich rund sieben Millionen Gläubige zur armenischen Kirche.
Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche ist der Katholikos-Patriarch von Etschmiadzin. Seit 1999 ist dies Karekin II. Der Sitz des Patriarchen befindet sich in Etschmiadzin unmittelbarer Nähe der armenischen Hauptstadt Jerewan. Neben dem Katholikosat von Etschmiadzin, zu dem mehr als 40 Diözesen in Armenien, Europa, Amerika, Afrika, Asien und Australien gehören, gibt es noch das Katholikosat von Kilikien mit rund zehn Diözesen. Dazu kommen zwei Patriarchate von Jerusalem und Konstantinopel. Zu letzterem gehören heute nur mehr rund 70.000 Gläubige in der Türkei, wobei so gut wie alle im Großraum Istanbul leben.
In Österreich leben bis zu 7.000 armenische Christen, der überwiegende Teil davon in Wien. Kleine armenische Gemeinden gibt es neben Wien auch noch in Linz, Graz, Bregenz, Klagenfurt und Salzburg. Geleitet wird die Kirche von Bischof Tiran Petrosyan. Er hat seinen Sitz in Wien.
Quelle: kathpress