
Wien: Kirchenplädoyer für "leidenschaftliche Ökumene"
Im Zeichen eines "leidenschaftlichen Plädoyers für die Ökumene" stand am Dienstagabend in Wien der offizielle Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Der Gottesdienst fand in der altkatholischen Salvatorkirche im Ersten Bezirk statt. Der armenisch-apostolische Bischof und ÖRKÖ-Vorsitzende Tiran Petrosyan konnte zum Gottesdienst zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Kirchen begrüßen. Der griechisch-orthodoxe Archimandrit Ilias Papadopoulos betonte in seiner Predigt, dass die Welt angesichts der zahlreichen Krisen umso mehr das gemeinsame Zeugnis der Christen brauche.
Mit Petrosyan und Papadopoulos standen der designierte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, die altkatholische Bischöfin Maria Kubin, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und der orthodoxe Pfarrer und Theologe Ioan Moga dem Gottesdienst vor; weiters auch der serbisch-orthodoxe Erzpriester Slavisa Bozic, Reverend Patrick Curran von der Anglikanischen Kirche, Pastor David Bunce von den Baptisten und Yves Becker von der Neuapostolischen Kirche. "Hausherrin" war die altkatholische Vikarin Dorothee Hahn.
"Ökumene der Neugier"
Archimandrit Papadopoulos zeigte sich in seiner Predigt dankbar dafür, dass die Zeit der Konfrontation zwischen den Kirchen weitgehend überwunden sei. Vieles, was noch vor einigen Jahrzehnten an Zusammenarbeit undenkbar war, sei heute selbstverständlich. Freilich sei so manches auch noch nicht möglich, was aber nicht zu Frustration führen dürfe. Vielmehr brauche es noch mehr Offenheit für "ökumenische Überraschungen" bzw. eine "Ökumene der Neugier", sagte der Archimandrit. Dankbar gelte es, die Schätze in den anderen Kirchen wahrzunehmen. Dabei betonte der Geistliche, dass es nicht auf die zahlenmäßige Größe einer Kirche ankomme.
Papadopoulos verwies u.a. auch auf die jüngste Weihnachtsbotschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios. Darin bezeichnet der Patriarch eine Haltung der Gleichgültigkeit angesichts der Spaltung der Christenheit als "unzulässig", insbesondere wenn sie mit Fundamentalismus und der Ablehnung des innerchristlichen Dialogs einhergeht. Das Streben nach Einheit der Christen sei "nicht verhandelbar", zitierte Papadopoulos seinen Patriarchen.
Gebet für Christen in Armenien
Die Unterlagen für die Gebetswoche wurden dieses Mal von Gläubigen der Armenisch-apostolischen, Armenisch-katholischen und der Evangelischen Kirche in Armenien erstellt. Im Gottesdienst wurde u.a. auch für die Christen in Armenien und jene, die aus Berg-Karabach vertrieben worden waren, gebetet.
Der armenische Hintergrund ist umso brisante, als derzeit ein Machtkampf zwischen der Armenisch-apostolischen Kirche und der armenischen Regierung tobt. Einige Bischöfe und weitere Geistliche sitzen in Haft, die Regierung fordert die Absetzung des Kirchenoberhaupts Katholikos Karekin II. Der Katholikos und Ministerpräsident Nikol Paschinjan werfen sich gegenseitig Landesverrat vor.
Bischof Petrosyan ging eingangs des Gottesdienstes auf die jahrhundertealten spirituellen und liturgischen Traditionen der armenischen Kirche ein. Und er fügte hinzu: "Unser Volk weiß: Christus verlässt seine Kirche nicht."
Das von den armenischen Christinnen und Christen gewählte biblische Motto des Gottesdienstes war dem Epheserbrief entnommen und lautete: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung."
Die Sammlung beim Gottesdienst war für das Spendenprojekt 2026 des ÖRKÖ bestimmt: Die Kirchen unterstützen dieses Jahr in der Republik Moldau armutsbetroffene ältere Menschen.
Vom 18. bis 25. Jänner findet jedes Jahr die internationale "Gebetswoche für die Einheit der Christen" begangen. Während dieser Ökumene-Woche kommen Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christenheit zu beten.
Dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gehören derzeit 17 Kirchen an: die Altkatholische Kirche, Anglikanische Kirche, Armenisch-apostolische Kirche, Bulgarisch-Orthodoxe Kirche, Evangelische Kirche A.B., Evangelische Kirche H.B., Evangelisch-methodistische Kirche, Griechisch-Orthodoxe Kirche, Koptisch-Orthodoxe Kirche, Römisch-Katholische Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Russisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche und Syrisch-Orthodoxe Kirche. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, der Bund der Baptistengemeinden und die Neuapostolische Kirche sind "Mitglieder mit beratender Stimme". Weitere Institutionen bzw. Organisationen besitzen Beobachterstatus. (Infos: www.oekumene.at)
Quelle: kathpress