
Vorarlberg: Theater und Kirche gedenken seligem NS-Opfer Carl Lampert
Mit dem "überraschend aktuellem" Vermächtnis des seligen Widerstandskämpfers Carl Lampert sowie Fragen der Zivilcourage und moralischen Verantwortung befassen sich in Vorarlberg derzeit Theater und Kirche. Das Theaterstück "Carl Lampert - Das erste Gebet" feierte am Samstag im Landestheater seine Uraufführung. Kommenden Dienstag (27. Jänner, 19 Uhr) liest Lampert-Darsteller Nico Raschner in der Martinskirche in Dornbirn aus Briefen des seligen Priesters und NS-Opfers. Der Abend und eine Podiumsdiskussion mit Bischof Benno Elbs, der Intendantin des Landestheaters Stephanie Gräve, dem Historiker Meinhard Pichler und Zeitzeugen sollen nicht zurückschauen, sondern die Gegenwart befragen.
"Wie trägt man Haltung in eine Zeit, in der Sprache verrutscht, Grenzen leise kippen und Verantwortung oft im Kleinen beginnt?", heißt es in der Ankündigung. Auch im Theaterstück von Regisseur Hermann Weiskopf werden Vergangenheit und Gegenwart verknüpft und Fragen nach Gewissen, Verantwortung und Zivilcourage gestellt. Es verbindet die Lebensgeschichte Lamperts mit einer zeitgenössischen Rahmenhandlung: Zwei junge Straftäterinnen finden während ihrer Haft Halt in einem Podcast über den Priester und setzen sich dabei mit ihrem eigenen Leben auseinander: "Was ist mit mir? Hätte ich damals auch weggesehen? Oder hätte ich gehandelt?" Auch die Frage "Bin ich ein schlechter Mensch?" drängt sich auf. "Ich glaube nicht, aber trotzdem sitze ich im Knast", sagt Emilia (Josepha Yen) zu Romy (Paula Futscher).
Auch auf die Schauspielerinnen und Schauspieler machte das Schicksal des Priesters Lamperts, der nach dem "Anschluss" Österreichs wegen seiner offenen Kritik an der Unterdrückung der Kirche und der Verfolgung Andersdenkender ins Visier der Gestapo geriet, großen Eindruck. "Ich kann kaum glauben, wie unmenschlich die Nazis mit Carl Lampert umgegangen sind und was er erdulden musste", sagte Nico Raschner, der den Widerstandskämpfer auf der Bühne verkörpert, gegenüber dem "Vorarlberger KirchenBlatt" (22. Jänner), das dessen überzeugende Darstellung des klugen Theologen und volksnahen Seelsorger lobte, der sich selbst in höchster Lebensgefahr weigerte, seine Überzeugungen zu verraten.
Carl Lampert wurde 1894 in Göfis geboren und entschied sich früh für das Priestertum. In der Diözese Innsbruck stieg er zum Provikar auf und galt als kluger Theologe und volksnaher Seelsorger. Nach dem "Anschluss" Österreichs geriet er wegen seiner offenen Kritik an der Unterdrückung der Kirche und der Verfolgung Andersdenkender ins Visier der Gestapo. Lampert wurde mehrfach verhaftet, in die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen deportiert, in einem Schauprozess zum Tod verurteilt und am 13. November 1944 in Halle an der Saale hingerichtet.
Weitere Termine von "Carl Lampert - Das erste Gebet" im Landestheater in Bregenz finden am 5., 6. und 28. Februar 2026, 1. März 2026 jeweils um 19.30 Uhr statt.
Quelle: kathpress