
Theologe für überdiözesanes Synodalprojekt in Österreichs Kirche
Für ein landesweites Synodalprojekt in der Kirche in Österreich spricht sich der Salzburger Theologe Gregor Maria Hoff aus. Es sehe so aus, dass Papst Leo XIV. an dem von seinem Vorgänger Franziskus angestoßenen synodalen Umbau der Kirchenordnung festhalte, schreibt Hoff in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe 22.1.). Damit ein Papst weltkirchlich den Weg für mehr Beteiligung von Laien und eine "wirksame Gewaltenteilung" freimache, müsse Synodalität aber "unten ankommen".
In Österreich hätten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) Diözesansynoden eine "robuste Beteiligungskultur" ermöglicht, so Hoff: "Auf dem Weg zu einer gelebten Synodalität stellt sich die Frage, ob sich nicht auch hierzulande ein überdiözesanes Synodalprojekt verwirklichen lässt, um anstehende Transformationsprozesse anzugehen."
"Nicht nach deutschem Vorbild" solle dies geschehen, fügt der Theologe vor dem Hintergrund des viel diskutierten "Synodalen Wegs" der katholischen Kirche in Deutschland hinzu, sondern auf Basis eigener Synodalerfahrungen. Hoff: "Sorgen um zu viel kirchliche Selbstbeschäftigung und mehr Gremienaufwand sind verständlich. Synodale Sonntagsreden und Absichtserklärungen aber reichen nicht. Autorität in einer demokratisch geprägten Gesellschaft gewinnt die katholische Kirche durch sichtbar und nachvollziehbar geteilte Macht."
Der Synodale Weg in Deutschland habe genau dies in Angriff genommen - "Fehler eingeschlossen", so der Theologe. So lasse sich über die Debattenkultur streiten und auch längst nicht alle Gruppen, die Raum gebraucht hätten, seien vertreten gewesen, schreibt Hoff und nennt als Beispiel etwa von Migranten geprägte Kirchengemeinden: "Wer von Synodalität spricht, muss sie leben. Ob das gelingt, hängt von der Entwicklung einer synodalen Kirchenkultur vor Ort ab - in den deutschen Bistümern ebenso wie in Österreich."
Deutscher Weg ist "Schreckgespenst wie Inspiration"
Anlass von Hoffs "Furche"-Beitrag ist zum einen die vom 29. bis 31. Jänner bevorstehende sechste und letzte Synodalversammlung in Stuttgart, bei der unter anderem eine Evaluation des Reformprojekts der katholischen Kirche in Deutschland im Fokus steht. Vor wenigen Tagen kündigte zudem der Limburger Bischof Georg Bätzing seinen Rückzug vom Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz an.
Der deutsche Synodale Weg habe Perspektiven eröffnet, die auch während der Versammlungen der Weltsynode zur Synodalität in Rom Resonanz gefunden hätten, und zwar sowohl "als Schreckgespenst wie als Inspiration", schreibt Hoff. Bätzing habe als Bischofskonferenz-Vorsitzender dem Synodalen Weg "ein Gesicht gegeben und seine Mitbrüder auf Kurs gehalten - und mit ihnen auch in Rom Kompromisse ermöglicht", so der Theologe: "Auch mit Bätzing verbindet sich, was vom Synodalen Weg bleibt: mehr Gewaltenteilung in der Kirche als vorher, synodale Leitungskultur als Perspektive, Durchsetzungsvermögen auch gegenüber der römischen Kurie."
In westlich geprägten Gesellschaften laufe die Reformzeit für die katholische Kirche ab, so der Befund des an der Universität Salzburger lehrenden Fundamentaltheologen. Eine "belastbare Wachstumsdynamik" sei kaum zu erkennen. "Viele Kirchenenttäuschte sind gegangen. Bescheidende Zugangszahlen liefert allein das konservative Spektrum", hält Hoff nüchtern fest. Trotzdem setze der deutsche Synodale Weg auf einmal beschlossene Agenden und kirchlich widerständiges Durchhaltevermögen. "Doch weil sich vom Zölibat über das Diakonat der Frau bis zur katholischen Sexualmoral zwar Forderungen formulieren lassen, die Entscheidungen aber weltkirchlich getroffen werden, bleibt es bei einer Hängepartie."
Dem werde man sich auch bei der bevorstehenden Synodalversammlung in Stuttgart stellen müssen, betonte Hoff, der im Prozess des Synodalen Wegs als Berater im Synodalforum Macht und Gewaltenteilung in der Kirche mitwirkte: "Dabei kann man darauf hinweisen, dass sich die römische Kurie und der Papst nicht mit der Universalkirche verwechseln sollten. Synodalität verlangt auch in dieser Hinsicht gemeinsames Beraten und Entscheiden."
Quelle: kathpress