
ORF und Katholische Medien Akademie trauern um Gerhard Klein
Der ORF und die Katholische Medien Akademie (KMA) trauern um Gerhard Klein. Der frühere ORF-Hauptabteilungsleiter und Leiter der Religionsabteilung ist am Donnerstagabend, 29. Jänner, nach schwerer Krankheit im Kreis der Familie verstorben, teilte der ORF am Freitag mit. Klein war von 1997 bis 2019 Chef der Abteilung Religion im ORF-Fernsehen, seit 2010 leitete er zusätzlich die Wissenschaftsabteilung. Nach seiner Pensionierung übernahm Klein 2019 die Journalistische Leitung der KMA. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne. Medienbischof Wilhelm Krautwaschl würdigte Klein gegenüber Kathpress als "leidenschaftlichen Kommunikationsprofi im Spannungsfeld von Glauben und Wissen im Blick auf Gesellschaft und Öffentlichkeit", dem Kirche und ORF eine berufliche und geistige Heimat waren.
Bischof Krautwaschl, er fungiert auch als Protektor der KMA, erinnerte daran, dass Klein seine ersten beruflichen Erfahrungen als theologischer Mitarbeiter im Pastoralamt der Erzdiözese Wien und dann als Generalsekretär im Katholischen Zentrum für Massenkommunikation gesammelt hatte, von wo er in den ORF wechselte und "erstmals in dieser Kombination" die Hauptabteilungen Religion sowie Wissenschaft leitete. Dass Klein nach seinem beruflichen Ende im ORF seine ganze Expertise als ehrenamtlicher Journalistischer Leiter in die KMA einbrachte, sei bezeichnend für seinen Idealismus.
Gerhard Klein habe das angestrebte Verhältnis des Journalismus zu den Kirchen in Österreich gerne als "kritische Distanz und respektvolle Nähe" beschrieben, erinnerte der Medienbischof und sagte: "Nach Kleins Auffassung ist es Aufgabe des Religionsjournalismus, den Spagat zwischen Vernunft und Glaube sowie auch zwischen Spiritualität und Solidarität zu meistern. Religion darf nicht auf Moral reduziert werden, denn die Gottesfrage hat Gewicht, betonte er immer wieder. Gerhard Klein hat für diesen hohen Anspruch gelebt. Dafür sind ihm viele in Kirche, ORF und Gesellschaft dankbar."
Schönborn: "Verliere einen Freund"
Persönlich betroffen vom Tod Gerhard Kleins zeigte sich auch Kardinal Christoph Schönborn: "Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Menschen und Journalisten - und ich darf auch sagen: Ich verliere mit ihm einen Freund", heißt es in einer Stellungnahme des früheren Wiener Erzbischofs gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Über viele Jahre habe sie eine von "tiefer, gegenseitiger Wertschätzung" geprägte Freundschaft verbunden.
Er habe Klein als Theologen und gläubigen Menschen kennengelernt, "der auch in einem beruflichen Umfeld, in dem gelebter Glaube keineswegs selbstverständlich ist, mit Offenheit und Mut Farbe bekannt hat", so Schönborn weiter. "Er war ein Christ im Alltag - jemand, der seinen Glauben nie zur Schau stellte und ihn niemandem aufdrängte, sondern glaubwürdig lebte."
Seine journalistischen Beiträge zeichneten sich laut Schönborn stets durch "Fachkompetenz, Sachlichkeit und Bemühen um Wahrheit und Dialog aus". Als langjähriger früherer Medienbischof habe er sich außerdem sehr gefreut, als Klein nach seiner Pensionierung 2019 die Leitung der Katholischen Medien Akademie KMA übernahm "und zu einer neuen Blüte führte". Schönborn: "Ich denke etwa an die bemerkenswerte Kooperation, die er mit dem Potsdamer Rabbinerseminar, dem Abraham-Geiger-Kolleg, aufgebaut hat. Vor allem aber verstand er es, junge Menschen für den Journalismus - und gerade auch für den Religionsjournalismus - zu begeistern und sie zu kompetenten und verantwortungsvollen Medienschaffenden auszubilden."
Varga: "begeisterter und charismatischer Mentor"
KMA-Generalsekretär Simon Varga würdigte Klein in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress als "liebenswerten und fachlich höchst kompetenten Kollegen". In seiner Zeit als Journalistischer Leiter der KMA habe Klein das Ausbildungsprogramm "maßgeblich weiterentwickelt und nachhaltig geprägt", so Varga. Dabei sei ihm insbesondere ein "qualitätsvoller Religionsjournalismus ein Herzensanliegen" gewesen. Für Studierende sei Klein ein gleichermaßen "begeisterter und charismatischer Mentor" gewesen, der seine Themen "stets authentisch und mit viel Humor vermittelt" habe. "Er hinterlässt eine große Lücke an der Katholischen Medien Akademie", so Varga abschließend.
Als "exzellenten wie anerkannten Religionsjournalisten" würdigte außerdem KMA-Präsident Hubert Philipp Weber den Verstorbenen. Klein habe einen "reichen Erfahrungsschatz" und "fachliches Können" an die Nachwuchsjournalisten weitergegeben. Mit ihm verliere die KMA einen "hervorragenden Leiter, aber insbesondere einen stets motivierten Begleiter für den journalistischen Nachwuchs und einen loyalen Kollegen."
Publizistenverband trauert um langjähriges Mitglied
Bestürzt vom Tod Gerhard Kleins zeigte sich auch der Verband Katholischer Publizistinnen und Publizisten Österreichs, dem Klein seit 2005 angehörte. Verbandsvorsitzende Sophie Lauringer unterstrich in einer Stellungnahme auf der Website des Verbandes, sie habe Klein, "immer als wachen, interessierten Religionsjournalisten erlebt und geschätzt". Ihn habe gleichermaßen ein hohes Maß an Professionalität, an Liebe zur Sprache und zu einem "wertegeleiteten Journalismus mit Haltung" ausgezeichnet.
Lauringer wörtlich: "Die Vermittlung all dieser Dinge war Gerhard Klein immer wichtig - und so war auch seine Tätigkeit als Journalistischer Leiter der KMA zum Ende seiner langen Karriere hin ein Glücksfall - sowohl für die KMA als auch für die Studierenden. Es war immer eine Freude, sich mit ihm auszutauschen. Wir werden ihn schmerzlich vermissen - als Journalisten, als Ausbilder und als Mensch", so Lauringer abschließend.
Der Verband Katholischer Publizistinnen und Publizisten ist eines der größten Netzwerke von Journalisten und Medienschaffenden in Österreich. Er zählt rund 370 Mitglieder. Aufgenommen werden nicht nur Katholiken, sondern auch Mitglieder einer der im Ökumenischen Rat vertretenen Kirchen. Der Verband stellt auch Presseausweise an hauptberuflich tätige Journalisten gemäß den Richtlinien des dafür zuständigen Kuratoriums aus. 2027 begeht der Verband sein 70-jähriges Bestehen. (Infos: www.kath-publizisten.at)
Krenn: "Unabhängigen Religionsjournalismus vorangetrieben"
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann würdigte Gerhard Klein in einer Aussendung als "prägende Persönlichkeit" und "echten Brückenbauer", der "stets im Dialog zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen unterschiedlichen Weltbildern und Überzeugungen" gestanden sei. Für viele Kolleginnen und Kollegen sei er ein "wichtiger Ansprechpartner, ein kluger Ratgeber und ein Mensch, der zuhören konnte" gewesen. Durch von ihm mitgestaltete Formate wie "Universum" und "kreuz&quer" habe Klein zudem "den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF maßgeblich mitgestaltet".
Die aktuelle Leiterin der ORF-Hauptabteilung "Religion und Ethik multimedial", Barbara Krenn, unterstrich die religionsjournalistische Kompetenz Kleins: Er habe "den unabhängigen Religionsjournalismus in Österreich entscheidend vorangetrieben" und sich dabei stets "dem kritischen Programm der Aufklärung verpflichtet" gefühlt. Krenn: "Sein Interesse galt dem Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Religion und Politik und dem Verhältnis von Religionsgemeinschaften zur pluralen Gesellschaft - zu Anders- und Nichtglaubenden. Seine Leidenschaft, sein breites Interesse, seine Ernsthaftigkeit, Menschlichkeit und sein Humor bleiben unvergessen."
Aus Anlass des Todes von Gerhard Klein sendet der ORF am Samstag (31. Jänner) um 16.45 Uhr in "Prisma" und am Sonntag (1. Februar) um 16.55 Uhr in "Was ich glaube" weitere Beiträge im Gedenken an den Verstorbenen.
Biografische Notizen
Geboren wurde Gerhard Klein 1953 in Kittsee (Burgenland), er studierte Theologie, Philosophie und Anglistik. Ab 1988 bis zu seiner diesjährigen Pensionierung war der verheiratete Vater von vier Töchtern beim ORF tätig. Zunächst arbeitete er unter dem damaligen Programmintendanten Ernst Wolfram Marboe als Redakteur und Dramaturg der Abteilung Fernsehspiel. Später übernahm Klein die Religions-Sendungen "Orientierung", "FeierAbend" und "kreuz und quer" im ORF-Fernsehen. Die Sendungen wurden unter seiner Leitung mit dem Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis (für "Orientierung"), dem Claus Gatterer-Preis, dem Erasmus Media Award und dem "Romy"-Jurypreis (für "kreuz und quer") ausgezeichnet.
1997 wurde Klein Leiter der TV-Abteilung Religion und war ab 2010 zusätzlich für die ORF-TV-Wissenschaftsabteilung verantwortlich. Gerhard Klein ist Träger mehrerer Auszeichnungen, u.a. des Leopold-Kunschak-Preises.
Nach seiner Pensionierung im ORF wurde Klein 2019 ehrenamtlicher Journalistischer Leiter der KMA. Der damalige "Medienbischof" und frühere KMA-Präsident, Kardinal Christoph Schönborn, bezeichneten Klein damals als "Glücksfall" für die KMA, da er nicht nur über eine "immense Erfahrung" und journalistische Professionalität verfügte, sondern auch über ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Er selbst sagte 2019 gegenüber Kathpress, er wolle den Nachwuchs-Journalisten in der KMA "unabhängigen Journalismus - jedoch mit Haltung" vermitteln. Einen solchen Journalismus habe "unsere demokratische Gesellschaft und unser Staat grundlegend nötig".
Gerhard Klein war verheiratet, Vater von vier Töchtern und Großvater eines Enkelsohns. Er starb im Kreis seiner Familie.
Traditionsreiche Ausbildungsstätte
Die KMA bietet Studierenden aller Studienrichtungen eine betont praktische Ausbildung für Print- und Radiojournalismus sowie für Video- und Online-Journalismus an. Ziel ist es, am Ende der Ausbildung fix in einer Redaktion zu arbeiten. Der Medienethik kommt in der Katholischen Medien Akademie ein besonderer Stellenwert zu.
Über 300 Medienschaffende und PR-Mitarbeiter hat die KMA seit 1978 ausgebildet, darunter den leitenden "Kurier"-Journalisten Rudolf Mitlöhner, Maria Scholl (APA), Eva Maria Hoppe-Kaiser (ORF), Stefan Hauser von "Radio klassik Stephansdom", ORF-Korrespondent David Kriegleder und Bernadette Bayrhammer ("Die Presse"). Vereinsmitglied ist mit der "Styria Medien AG" einer der größten Medienplayer Österreichs ("Kleine Zeitung", "Die Presse", "Die Furche" u.a.).
Der nächste KMA-Kurs "Beruf Journalist" mit insgesamt 55 Kurstagen verteilt auf vier Semester startet im Frühjahr 2026. Bewerbungen sind noch bis Ende März möglich. (Infos: www.kma.at)
Quelle: kathpress