
Krankensalbung: Sakrament der Stärkung neu entdeckt
Die Krankensalbung gehört zu den sieben Sakramenten der katholischen Kirche und wird bis heute häufig missverstanden. Noch immer ist der Begriff "Letzte Ölung" im allgemeinen Sprachgebrauch präsent. Theologisch gilt das Sakrament jedoch nicht als Sterberitual, sondern als Zeichen der Stärkung und Heilung in Zeiten schwerer Krankheit oder Altersschwäche. Das Zweite Vatikanische Konzil stellt klar: Die Krankensalbung ist für Gläubige bestimmt, "deren Gesundheitszustand bedrohlich angegriffen ist".
In einer Zeit, in der Krankheit oft mit Isolation verbunden ist, erfährt die Krankensalbung gegenwärtig neue Aufmerksamkeit. Durch Katechese, Krankensonntage und insbesondere den 1993 eingeführten "Welttag der Kranken" am 11. Februar wird das Sakrament heute verstärkt als Zeichen der Nähe Gottes und der Gemeinschaft der Kirche vermittelt, und zwar nicht als Symbol des nahen Todes, sondern als Stärkung zum Leben.
Biblische Grundlage des Sakraments ist der Jakobusbrief: "Ist einer von euch krank, dann rufe er die Ältesten der Kirche zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben" (Jak 5,14-15). Schon die frühe Kirche verstand diesen Ritus als wirksames Zeichen der Nähe Gottes. In der Kirchengeschichte wurde die Krankensalbung allerdings zunehmend auf die letzte Lebensphase beschränkt. Diese Engführung wurde erst im 20. Jahrhundert korrigiert und bewusst überwunden.
Theologisch ist die Krankensalbung eng mit dem Heilshandeln Jesu verbunden. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) beschreibt Christus als den, der "den ganzen Menschen - Seele und Leib - heilen" will (KKK 1503). Heilung meint dabei nicht nur körperliche Genesung, sondern ein umfassendes Heil. Krankheit wird als existenzielle Grenzerfahrung ernst genommen, die Angst, Zweifel und Ohnmacht auslösen kann, aber auch neue Offenheit für Gott ermöglicht (KKK 1500-1501).
Spenden dürfen die Krankensalbung ausschließlich Priester. Sie handeln im Auftrag der Kirche und im Namen Christi. Empfangen werden kann das Sakrament bei jeder ernsthaften Erkrankung, bei Altersschwäche oder vor schweren Operationen. Es ist ausdrücklich wiederholbar, etwa bei neuer Erkrankung oder bei einer Verschlechterung des Zustands. Die Feier kann in der Kirche, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause stattfinden. Sie ist eine liturgische und zugleich gemeinschaftliche Handlung, an der Angehörige, Freunde oder Pflegepersonen teilnehmen können.
Der Ablauf umfasst Begrüßung, Wortgottesdienst, Fürbitten, die schweigende Handauflegung sowie schließlich die Salbung mit geweihtem Öl an Stirn und Händen. Dabei spricht der Priester die überlieferte Gebetsformel: "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes." Auf Wunsch können Beichte und Kommunion in die Feier integriert werden.
Nach kirchlicher Lehre bewirkt die Krankensalbung eine besondere Gabe des Heiligen Geistes. Sie schenkt "Stärkung, Beruhigung und Ermutigung", vergibt Sünden und kann - wenn es dem Heil dient - auch zur körperlichen Genesung beitragen. Zugleich verbindet sie den Kranken mit dem Leiden Christi und der betenden Kirche. "Die ganze Kirche empfiehlt die Kranken dem leidenden und verherrlichten Herrn", heißt es im Katechismus.
Quelle: kathpress