
Scheuer: Aichern stand für ganze Breite und Vielfalt der Kirche
Als einen, der das "Wir des Glaubens in seiner ganzen Breite und Vielfalt" vertrat, hat Bischof Manfred Scheuer seinen verstorbenen Vorvorgänger Maximilian Aichern gewürdigt. Der langjährige Linzer Oberhirte aus dem Benediktinerorden sei "geografisch, aber auch existenziell von den Milieus her viel unterwegs gewesen" und den Menschen persönlich sehr nahe gewesen, sagte Scheuer am Donnerstagabend bei einer Gedenkmesse im Linzer Mariendom, die den Auftakt der mehrtägigen Trauerfeiern für den am 31. Jänner im 94. Lebensjahr Verstorbenen bildete.
Neben Scheuer zelebrierten bei der Messe unter anderem Generalvikar Severin Lederhilger, Domrektor Slawomir Dadas, Mitglieder des Domkapitels sowie die Diakone Alexander Niederwimmer und Anton Birngruber. Zahlreiche Gläubige nahmen teil. Scheuer segnete im Rahmen der Feier mit Weihrauch den Leichnam Aicherns, der in einem Eichensarg in der Turmkapelle aufgebahrt ist, bekleidet mit violettem Talar, Alba, Stola, Messkleid, Mitra und dem 1990 von Erzbischof Antonio Vitale Bommarco überreichten Brustkreuz aus Aquileia. Musikalisch würdigte den Verstorbenen ein Violin-Solo von Dominik Gillesberger, der ihn lange als Physiotherapeut begleitet hatte.
Verheutigung und Mut
Scheuer hob in seiner Predigt Aicherns "existenzielle Vielsprachigkeit" hervor, die "Spannungen ausgehalten" und "Pole, die nach menschlichem Ermessen nicht mehr miteinander konnten und wollten", zusammengehalten habe. Oft habe der Verstorbene den Wunsch geäußert, "dass wir uns die Freude am Menschsein und am Christsein erhalten sollen". Damit habe Bischof Maximilian "viele motiviert und einen aufbauenden, Fenster öffnenden Blick in die Zukunft der Kirche" erschlossen. "Aggiornamento und Coraggio - Verheutigung und Mut - gehörten zu seinem Grundvokabular, zur Grundmelodie seiner Ansprachen und er verkörperte dies auch in seinem Leben und Wirken".
Bischof Maximilian sei ein wohlwollender, segnender Mensch gewesen, bekannt auch für seine regelmäßigen Besuche bei Kranken. Er habe bei allen Begegnungen "immer den einzelnen Menschen gesehen und dank seines sagenhaften Gedächtnisses beim Namen genannt", so Scheuer, der selbst einst im Jahr 2003 von Aichern sowie von Bischof Reinhold Stecher und Erzbischof Alois Kothgasser zum Bischof von Innsbruck geweiht worden war.
Name steht für Vitalität
Besonders verwies der Linzer Bischof auch auf Aicherns gesellschaftliches Engagement, unter anderem in der Mitwirkung am vielbeachteten Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe und am ökumenischen Sozialwort der Kirche. Sein Name stehe für die "Vitalität der Kirche in der sozialen Frage": für eine starke Sozialpartnerschaft, für die Allianz für den freien Sonntag und gleichzeitig für eine intensive Auseinandersetzung mit den Abgründen der Geschichte. "Bischof Maximilian war historisch höchst interessiert und informiert, er war gesprächsfähig und Dialog eröffnend für unterschiedliche Ideologien", so Scheuer.
Weiters betonte der Bischof, dass das "Wir der Kirche" für Aichern "nicht durch die Landesgrenzen eingeengt" gewesen sei. Auch Mostar und Bosnien insgesamt, Budweis und Tschechien, Weißrussland und Rumänien, sowie Brüssel hätten für ihn dazugehört. "Er dachte, glaubte, fühlte katholisch, international, europäisch", so Scheuer über den Verstorbenen.
Mehrtägige Trauerfeiern
Der verstorbene Altbischof ist seit Donnerstag in der Turmkapelle aufgebahrt. Noch bis Freitag um 18 Uhr konnten Gläubige dort persönlich Abschied nehmen, anschließend stand eine Totenwache auf dem Programm. Für Samstag war zwischen 8 und 12 Uhr erneut die Möglichkeit zur Abschiednahme vorgesehen, ehe um 12 Uhr das feierliche Requiem wieder unter der Leitung von Bischof Scheuer beginnt. Die Zeremonie wird live auf ORF III übertragen und in Gebärdensprache gedolmetscht.
Den Abschluss der Trauerfeierlichkeiten bildet am Montag um 14 Uhr die Beisetzung im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht, dem Aichern angehört hatte, darunter auch als Abt. Das Requiem davor wird unter anderem von Bischof Wilhelm Krautwaschl, Abtpräses Johannes Perkmann und Abt Alfred Eichmann geleitet.
Quelle: kathpress