
Familienverband am "Safer Internet Day": KI kein Ersatz für Beziehung
Der Katholische Familienverband warnt vor einer zunehmenden Verlagerung von Beziehungen und Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen auf KI-Chatbots. Künstliche Intelligenz könne weder Eltern noch Freunde ersetzen, betonte der Verband anlässlich des "Safer Internet Day" am 10. Februar. Familie müsse der zentrale Ort für persönliche Beziehungen, Orientierung und Gespräch bleiben.
Hintergrund ist eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Initiative Saferinternet durchgeführt wurde. Demnach nutzen 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen KI-Chatbots. Während 73 Prozent der Jugendlichen die Anwendungen vor allem für schulische Zwecke und Hausaufgaben einsetzen, übernehmen Chatbots zunehmend auch soziale Funktionen. Fast ein Viertel der Befragten gab an, freundschaftliche Unterhaltungen mit KI zu führen, 29 Prozent sehen in einem Chatbot eine Art Freund. Rund ein Viertel spricht nach eigenen Angaben leichter über persönliche Themen mit einer KI als mit anderen Menschen.
"Diese Entwicklung sehen wir absolut mit Sorge, wir können als Gesellschaft nicht alles an die KI auslagern und Gespräche mit unseren Kindern dem Algorithmus überlassen", sagte Andrea Kahl, Leiterin des Schularbeitskreises beim Familienverband. Eltern müssten die Möglichkeit haben, im Leben ihrer Kinder präsent zu sein. Dafür brauche es Zeit, geeignete Rahmenbedingungen und ein Umdenken hin zu einem familienzentrierten Arbeitsleben.
Auch für den Schulalltag sieht der Familienverband Handlungsbedarf. Künstliche Intelligenz müsse fächerübergreifend als Unterrichtsprinzip verankert werden und über die reine Anwendung hinausgehen, forderte Kahl. Neben technischen Kenntnissen brauche es auch eine ethische Auseinandersetzung, um Manipulationsmöglichkeiten erkennen zu können. Zudem seien verbindliche Schulungen für Lehrpersonen notwendig. Ziel sei es, Jugendliche zu einem informierten und verantwortungsbewussten Umgang mit Anwendungen wie ChatGPT, Claude oder Google Gemini anzuleiten.
Grundsätzlich biete der Einsatz von KI große Chancen, sei aber auch mit Risiken verbunden, betonte Kahl. "In all den Diskussionen um künstliche Intelligenz sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass die Technik für den Menschen da sein muss und nicht der Mensch für die Technik." Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfordere langfristige Lösungen und müsse auch auf europäischer und internationaler Ebene geführt werden.
Quelle: kathpress