
Jaron Engelmayer nur noch bis Herbst 2026 Oberrabbiner von Wien
Jaron Engelmayer wird seinen Dienst als Oberrabbiner von Wien im Herbst 2026 beenden. Er werde mit seiner Familie nach Israel auswandern, kündigte der 49-Jährige in einer gemeinsamen Videobotschaft mit IKG-Präsident Oskar Deutsch an, die am Mittwochabend von der Israeltischen Kultusgemeinde Wien veröffentlicht wurde. Jedenfalls bis nach den hohen jüdischen Feiertagen Rosch Haschana und Jom Kippur werde er der Gemeinde erhalten bleiben, erklärte der Oberrabbiner. Auch freue er sich auf die Feier zum 200-Jahr-Jubiläum des Stadttempels in der Seitenstettengasse. Die Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wird aus diesem Anlass derzeit umfassend renoviert.
IKG-Präsident Deutsch dankte dem seit Sommer 2020 als Oberrabbiner in Wien tätigen Engelmayer unter anderem für dessen Leistungen "während sechs der herausforderndsten Jahre der letzten Jahrzehnte". Es sei "mehr als schade", dass Engelmayer Wien verlasse, er habe aber Verständnis für die Entscheidung. "So sehr mir das persönlich und für unsere Gemeinde leid tut, so sehr ist es zu akzeptieren, wenn eine jüdische Familie nach Israel zieht", hielt der IKG-Präsident in einer die Videobotschaft begleitenden Nachricht fest.
Engelmayer bleibe noch mindestens acht Monate als Oberrabbiner im Amt. Dennoch werde er dem Kultusvorstand vorschlagen, schon jetzt eine Rabbinerfindungskommission einzusetzen, "die sich mit der Frage der Ausschreibung und Suche eines würdigen Nachfolgers für unsere durch Vielfalt bestimmte Gemeinde befasst", kündigte Deutsch an.
Die Entscheidung zum Abschied aus Wien habe er "schweren Herzens" getroffen, berichtete Oberrabbiner Engelmayer. In den vergangenen sechs Jahren hier "durfte ich eine wunderbare Gemeinde kennenlernen, die mich mit ihrer Vielseitigkeit und Lebendigkeit begeistert", hielt er fest. Er hoffe, in dieser Zeit "ein paar Akzente gesetzt sowie Impulse und spirituelle Orientierung" gegeben zu haben, so Engelmayer. Den nun bevorstehenden Übergang wolle er bestmöglich unterstützen. "Wir werden nichts überstürzen. Ein geordneter Abschied ist ganz besonders wichtig", betonte der Oberrabbiner.
Jaron Engelmayer wurde 1976 in Zürich geboren und wuchs in der Schweiz auf. Er studierte in den USA an der Yeshiva University New York und in Israel, wo er auch den Militärdienst leistete, an der Jeschiwat Hesder in Ma'ale Adumin sowie am College Machon lehoraa Lifshitz in Jerusalem. 2002 wurde er durch das Oberrabbinat in Israel zum Rabbiner ordiniert - sowohl vom aschkenasischen als auch vom sephardischen Oberrabbiner Israels.
Nach seiner Ausbildung kehrte Engelmayer zunächst nach Europa zurück und begann 2003 am Lehrhaus Lauder-Chorev-Midrascha in Frankfurt zu arbeiten. Von 2005 bis 2008 war er Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde Aachen. Anschließend betreute er bis 2015 die Synagogen-Gemeinde Köln als Rabbiner. Von 2008 bis 2015 war er zudem Mitglied im Vorstand und Beirat der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands. 2015 übersiedelte er erneut nach Israel und als Gemeinderabbiner in Karmiel im Norden des Landes tätig. 2020 wurde zum Oberrabbiner von Wien bestellt.
(Website IKG Wien: www.ikg-wien.at)
Quelle: kathpress