
"Fluchtweg": Kreuzweg aus Perspektive queerer geflüchteter Menschen
Das ökumenische Projekt "Fluchtweg" zeigt die Leidensgeschichte Jesu in der Fastenzeit aus einer neuen Perspektive: Der Kreuzweg verbindet die Passion Jesu mit heutigen Erfahrungen queerer Personen, die aufgrund ihrer religiösen, sexuellen und geschlechtlichen Identität aus ihrem Land flüchten mussten, heißt es in einer Aussendung der Katholischen Jugend Oberösterreich, die das Projekt initiierte. "Queere Menschen fliehen nicht aus Selbstverwirklichung, sondern aus Angst. Ihr Mut, ihre Verletzlichkeit und ihre Hoffnung begegnen uns unter dem Kreuz - dort, wo jede menschliche Erfahrung Platz hat", beschreibt Projektleiter Anson Samuel das Anliegen des Kreuzwegs. Erstmals wird dieser am 26. Februar, 19 Uhr, in der Votivkirche Wien gezeigt.
Interviews mit queeren Geflüchteten bilden die Basis des Kreuzwegs. Aus den Erzählungen wurden Texte erarbeitet, die in Form fiktiver Telefongespräche präsentiert werden. "Die erzählten Geschichten sind unglaublich eindringlich - der Atem stockt, die Worte fehlen, um zu beschreiben, was das in einer auslöst", berichtet Hannelore Mayer mit Schwerpunkt auf der Regenbogenpastoral in der Jungen Kirche Wien.
Zudem ist der "Fluchtweg" mit performativen Szenen, Luftakrobatik, Musik und Reflexionsmomenten verbunden. Ziel sei es, "Erfahrungen von Ausgrenzung, Gewalt und Hoffnung sichtbar zu machen und gesellschaftliche Sensibilisierung zu fördern", heißt es in der Projektbeschreibung. Der besondere künstlerische Zugang ermögliche es, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden. Zudem drückten Körper aus, was Worte nicht leisten können - besonders bei traumatischen Erfahrungen.
"Gemeinsam Vielfalt leben"
Der queere Kreuzweg wird in Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen aus mehreren Diözesen und Konfessionen gestaltet. So wird das Projekt von Einrichtungen der Diözesen Linz, Graz-Seckau, Innsbruck und der Erzdiözese Wien sowie der Evangelischen Diözese Wien unterstützt. Das Projekt zeige die Kraft ökumenischer Zusammenarbeit, wie die evangelische Hochschulpfarrerin Katharina Payk, Queer-Theologin und Mitwirkende im Projekt, erklärt: "Wenn wir als christliche Menschen gemeinsam (queere) Vielfalt leben, wird die Kirche zu einem Ort, der Grenzen überwindet."
Neben Wien wird der "Fluchtweg" auch am 12. März, 19 Uhr, im Grünen Anker (Jugendkirche Linz) und am 18. März, 19 Uhr, in der Christuskirche Graz gezeigt. Von 2. bis 8. März ist das Projekt auch als interaktive Ausstellung in der Pfarrkirche Mühlau in Innsbruck zu erleben. Der queere Kreuzweg, der erstmals 2024 gefeiert wurde, richtet sich an alle Menschen - unabhängig von Glauben, sexueller Orientierung oder Alter.
Quelle: kathpress