
Orgel als Gehirntraining? Wiener Diözesankonservatorium startet Vorstudie
Das Diözesankonservatorium für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien startet eine Vorstudie zum Zusammenhang von Orgelspiel und geistiger Leistungsfähigkeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das komplexe Zusammenspiel von Händen und Füßen nicht nur musikalisch fordert, sondern auch das Gehirn stärkt - und damit zur Prävention kognitiver Einbußen beitragen kann. Geleitet wird das Projekt von der Konzertorganistin und Neurowissenschaftlerin Andrea Pach. Direktorin Mirjam Schmidt unterstützt die Initiative, die Musikpraxis mit Hirnforschung verbindet.
Die Orgel gilt als besonders anspruchsvoll: Zwei Hände und zwei Füße müssen gleichzeitig und präzise koordiniert werden. Die Studie prüft, ob regelmäßiges Spiel mit Pedal, häufige Wechsel zwischen den Manualen und mehrstimmige Literatur mit Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, flexiblem Denken und räumlicher Orientierung zusammenhängen. Untersucht werden fortgeschrittene jugendliche Orgelschülerinnen und -schüler, Studierende im Erwachsenenalter sowie aktive ältere Organistinnen und Organisten. So soll sichtbar werden, wie sich mögliche Effekte über die Lebensspanne zeigen.
Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts mit dem Titel "Die Orgel als neurodidaktisches Interventionsinstrument" liegt auf dem Präventionsgedanken: Bei älteren Menschen könnte Orgelspiel helfen, geistige Beweglichkeit und Konzentration länger zu erhalten. Bei Jugendlichen interessiert, ob sich zentrale Denk- und Steuerungsfunktionen gezielt fördern lassen. Die Untersuchung ist als Pilotstudie angelegt. Sie formuliert Hypothesen und erhebt erste Daten. Weitere, größere Studien - auch mit universitären Partnern - sind geplant, hieß es in einer Mitteilung vom Montag.
Das Diözesankonservatorium für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien ging 1980 auf Initiative von Weihbischof Helmut Krätzl aus der diözesanen Kirchenmusikschule hervor und ist heute eine der größten und renommiertesten Ausbildungsstätten für Kirchenmusik in Österreich. Rund 200 Studierende aus 15 Nationen werden am Standort im Palais Equitable ausgebildet. Angeboten werden Kirchenmusik mit Schwerpunkt Orgel, Lied-Messe-Oratorium (Gesang) sowie Neues Geistliches Lied (Gitarre oder Klavier).
Quelle: kathpress