Fastenzeit: Katholische Aktion räumt mit Missverständnissen auf
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) verweist zu Beginn der Fastenzeit auf ein gängige Missverständnis rund um Verzicht und Askese: "Das größte Missverständnis der Askese ist der Verzicht. Es geht nicht um das Verzichten, sondern darum zu erkennen, wie wenig ich brauche. Richtig verstanden geht es in der Fastenzeit um die Konzentration auf das Wesentliche im Weniger", so KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder in seiner Fastenbotschaft. Eine solchermaßen reduzierte Lebensform sei nicht genussfeindlich, sondern konsumkritisch, so der KAÖ-Präsident.
Gerade die kommende Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag sei für Christinnen und Christen eine besondere Zeit, in der man der Frage "Wie lebe ich richtig?" breiten Raum geben solle, so Kaineder: "Ein sozial-ökologisch-spiritueller Blick eröffnet ein bewusstes Loslassen und eine neue Einsicht darin, dass wir eigentlich sehr wenig zum Leben brauchen."
Wer beispielsweise statt mit dem Auto zu Fuß geht oder zusammen mit anderen die Öffis nutzt, "wird ganz neue Lebensfacetten an sich, zusammen mit anderen, entdecken". Es könne aber auch darum gehen, "dass wir gerade im digitalen Bereich regelmäßig die Stopp-Taste drücken und wieder mehr eintauchen in die persönlichen haptischen Erlebnisse, Begegnungen und Gespräche".
Viele Menschen nützten die Fastenzeit auch bewusst zum Ausmisten, "zur Reduktion der sich um uns und von uns angesammelten Dinge". Andere würden sich bewusst Zeit nehmen, "um ins Gebet, in die Stille, in das Staunen und in die Dankbarkeit zu gehen, einzeln oder gemeinsam. Andere achten bewusst auf ihr Essen und genießen das selbst Gekochte. Das Schnelle weicht dem Langsamen."
Gesellschaftlich fördere man damit bewusst "eine soziale Gerechtigkeit, die nicht im Anhäufen von Geld und Macht den Lebenssinn sieht, sondern im Dienst am Gemeinwesen, das alle Menschen mitnimmt, zuerst eine würdige Lebensbasis für alle ermöglicht und schafft", so der KAÖ-Präsident. Die schnell wachsende gesellschaftliche Ungleichheit und Vermögenskonzentration auf Wenige müsse entlarvt werden als Gegenentwurf zum gemeinsamen guten Leben im Wesentlichen, zeigt sich Kaineder überzeugt: "Wer das Wesentliche im Weniger als Anker für das Leben entdeckt, wird ebenso die unermessliche Malträtierung der Erdkruste im Dienst des fossilen Wachstums, die ungenierten Ausbeutung vieler Menschen in prekären Arbeitsprozessen und alle Kriege anprangern."
Quelle: kathpress
