
St. Pölten: Armenische Bischöfe ringen um Wege aus der Krise
Gut 25 Bischöfe der Armenisch-apostolischen Kirche aus aller Welt haben sich seit Dienstag in St. Pölten versammelt, um Wege aus der aktuellen kirchenpolitischen Krise in Armenien zu suchen. Ein spiritueller Höhepunkt der bis Donnerstag anberaumten Konsultationen war Dienstagabend ein Gebet um Frieden und für Armenien im St. Pöltner Dom. Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz richtete dabei ein Wort der Ermutigung und Verbundenheit an die Bischöfe aus aller Welt.
"Heute sind wir hier versammelt, um miteinander und füreinander zu beten, in tiefer Verbundenheit mit Katholikos Karekin II. und den anderen Oberhäuptern der armenischen Kirche", so Bischof Schwarz. - Katholikos Karekin II. war von den armenischen Behörden die Ausreise aus Armenien verboten worden. Er kann an den Beratungen nur online teilnehmen.
Die armenische Kirche trage ein besonderes Zeugnis in die Welt, sagte Bischof Schwarz weiter: "Das Zeugnis eines Glaubens, der durch Jahrhunderte hindurch bewahrt wurde, oft unter schweren Prüfungen, oft im Leid, und doch immer in Hoffnung." An dem Gebetsgottesdienst im Dom nahmen neben den armenischen Bischöfen und Gläubigen auch der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried und der Wiener syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin teil.
Online verbunden mit Katholikos
Das Treffen der Bischöfe begann Dienstagvormittag mit einer Ansprache von Katholikos Karekin II., der sich online an die versammelten Bischöfe wandte. Auch die Oberhäupter der armenischen Kirchen von Jerusalem, Konstantinopel und Kilikien wandten sich mit Grußworten an die Teilnehmenden.
Aufgrund der schwierigen Begleitumstände, nicht nur dem Kirchenoberhaupt, sondern auch zahlreichen weiteren Bischöfen war von den armenischen Behörden die Ausreise aus Armenien verweigert worden, wurde der Status der Versammlung abgeändert. Die anwesenden Bischöfe können nun keine letztgültigen kirchenrechtlichen Beschlüsse fassen, sondern wollen Vorlagen erarbeiten, die dann auf einer weiteren Bischofsversammlung behandelt werden sollen, wie es am Rande der Versammlung in St. Pölten hieß. Aus Armenien selbst konnten nur zwei Hierarchen anreisen: Bischof Ararat Kaltakjian und Bischof Daniel Findikyan. Einige Bischöfe wurden zudem auch aus den Patriarchaten von Konstantinopel und Jerusalem entsandt.
Über die konkreten Inhalte der Beratungen wurde vorerst nichts bekannt gegeben. Beobachter fühlten sich aufgrund des enormen Drucks der armenischen Regierung und Behörden auf die Kirche aber an die Zeit der Sowjetunion zurückerinnert. Deutlich spürbar war zugleich aber das Bemühen der Bischöfe, die zunehmend eskalierende Situation zu beruhigen und die Hoffnung auf einen Dialog mit der Regierung nicht aufzugeben. Zugleich brachten zahlreiche Bischöfe ihre Dankbarkeit für die ökumenische Offenheit und Gastfreundschaft der Diözese St. Pölten bzw. von Bischof Schwarz zum Ausdruck.
Eskalierender Konflikt
Seit Monaten tobt in Armenien ein heftiger Konflikt zwischen der Kirchenleitung und der Regierung, personifiziert in den Personen des Kirchenoberhaupts Katholikos Karekin II. und Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Karekin II. ist bereits seit vielen Jahren mit dem Kurs des Regierungschefs unzufrieden; vor allem im Blick auf Berg-Karabach (Artsach). Der Katholikos machte Paschinjan für die Vertreibung von mehr als 100.000 Armeniern aus Berg-Karabach nach dem verlorenen Krieg gegen Aserbaidschan im Herbst 2023 mitverantwortlich. Paschinjan wiederum wirft dem Kirchenoberhaupt ebenfalls Landesverrat, zu enge Beziehungen zu Russland sowie die ungerechtfertigte Einmischung in die Politik vor.
Die armenischen Behörden gehen seit vielen Monaten mit harter Hand gegen die Kirche vor. Einige in Armenien wirkende Bischöfe befinden sich schon seit Monaten in Haft, gegen andere, inklusive Katholikos Karekin II., wurden Verfahren eingeleitet; verbunden mit Ausreiseverboten. Die armenische Kirchenleitung wehrt sich vor allem durch die Absetzung von Bischöfen und weiteren Geistlichen, die gemeinsam mit der Regierung gegen Karekin II. auftreten. Zehn Bischöfe sind in dieser Richtung gemeinsam mit dem Premierminister aktiv. Die Beratungen der armenischen Bischöfe hätten ursprünglich schon im Dezember in Etschmiadzin am Sitz der Armenisch-apostolischen Kirche stattfinden sollen. Aufgrund des Konflikts zwischen Kirche und Regierung war eine Durchführung in Armenien laut Kirchenleitung aber nicht möglich. Von den zehn oppositionellen Bischöfen nimmt nur einer - Erzbischof Hovnan Terterian, Oberhaupt der Westlichen Diözese von Amerika - an den Beratungen in St. Pölten teil.
Unterdessen hat ein armenisches Gericht laut Medienberichten vom Dienstag die Armenisch-apostolische Kirche angewiesen, einen von der Kirchenleitung suspendierten Geistlichen wieder in sein Amt einzusetzen, bis eine endgültige gerichtliche Entscheidung erfolgt. Es ist dies nicht der erste diesbezügliche Fall in den vergangenen Tagen. Die Kirchenleitung kam solchen Aufforderungen bisher nicht nach, weil es sich ihrer Meinung nach um eine verfassungsrechtlich nicht gedeckte Einmischung des Staates in kirchliche Angelegenheiten handelt.
Unterstützung für die Kirche
Eine Gruppe von Gläubigen hat unterdessen eine Unterschriftenkampagne zur Unterstützung der Armenisch-Apostolischen Heiligen Kirche ins Leben gerufen. Die entsprechende Petition kann unter https://armspyurk.com/ unterzeichnet werden. Die Initiatoren zeigen sich besorgt über das Vorgehen der armenischen Führung, die versuche, die Armenisch-apostolische Kirche zu manipulieren und zu spalten, wie es heißt.
Die Initiatoren rufen alle in Armenien und in der Diaspora lebenden Armenier dazu auf, sich um die Armenisch-apostolische Kirche und den Katholikos zu vereinen, um gemeinsam "den Mutterstuhl von Etschmiadzin, die Rechte der Gläubigen in Armenien und die Grundlagen der Demokratie zu schützen".
Quelle: kathpress