
Wien: Kirchenhistoriker aus aller Welt tagen zu synodalen Traditionen
Während Synodalität gegenwärtig als Leitbegriff kirchlicher Reform diskutiert wird, rückt nächste Woche eine internationale Fachtagung an der Universität Wien deren historische Tiefendimension in den Fokus. Unter dem Titel "Concilia provincialia et dioecesana - Synodales Leben in den Ortskirchen" befassen sich von 23. bis 25. Februar Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit der Geschichte lokalkirchlicher Synoden von der Alten Kirche bis ins 19. Jahrhundert.
Ziel sei es, den Blick "bewusst von den großen ökumenischen Konzilien wegzulenken", kündigten die beiden Veranstalter, das Institut für Historische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät und die Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung, im Vorfeld an. Stattdessen soll die Bedeutung von Provinzial- und Diözesansynoden herausgearbeitet werden. Diese kleineren Versammlungen hätten das kirchliche Leben vor Ort maßgeblich geprägt, würden heute jedoch oft übersehen.
Zum Auftakt spricht der Kirchenhistoriker Thomas Prügl (Wien). Internationale Expertise bringen unter anderem Thomas Graumann (Cambridge) mit Beobachtungen zu Provinzialsynoden der Alten Kirche sowie Nelson Minnich (Washington D.C.) ein, der die Umsetzung des Fünften Laterankonzils bis zum Konzil von Trient nachzeichnet. Auch Maria Teresa Fattori (Bologna) beleuchtet römische Quellen zur Kongregation des Konzils im 16. Jahrhundert.
25 öffentliche Vorträge
Einen starken Schwerpunkt bildet die Wiener Forschung: Christina Traxler analysiert österreichische Partikularsynoden im 16. Jahrhundert, Maximilian Ewers und erneut Prügl widmen sich dem Wiener Provinzialkonzil von 1858 und dessen Rolle als möglicher "Vorbote des Ersten Vatikanums". Damit werde deutlich, so die Veranstalter, dass synodale Prozesse stets auch politisch-ekklesiologische Dimensionen besaßen.
Insgesamt stehen 25 Vorträge auf dem Programm. Sie behandeln Themen wie regionale Reformbestrebungen, Fragen kirchlicher Disziplin, das Verhältnis von Metropolitangewalt und Landesherrschaft oder die Wechselwirkung zwischen römischer Kurie und Ortskirchen. "Synodalität hat eine lange und vielfältige Tradition", heißt es im Tagungstext. Die historische Analyse könne helfen, aktuelle Reformdebatten differenzierter zu führen.
Die Vorträge finden im Dekanatssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät im Hauptgebäude am Universitätsring statt; alle sind öffentlich. (Infos: https://kg-ktf.univie.ac.at/news-events/detail/news/tagung-zur-konziliengeschichte)
Quelle: kathpress