
Ukraine: KAÖ fordert Kyrill I. zu Einsatz für Kriegsende auf
Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) die russisch-orthodoxe Kirche zu einem klaren Einsatz für ein Ende der Kriegshandlungen aufgerufen. Zum Jahrestag am 24. Februar kritisierte das KAÖ-Präsidialteam die Unterstützung des Moskauer Patriarchen Kyrill I. für den Krieg und forderte einen entschiedenen Einsatz für den Schutz der Zivilbevölkerung. Friede komme und bleibe nur in gegenseitigem Respekt, betonte die KAÖ am Freitag in einer Aussendung.
"Als Christinnen und Christen sind wir entsetzt, dass der Aggressor in diesem Krieg die volle Unterstützung der russisch-orthodoxen Kirche genießt. Statt dem Krieg das Wort zu reden, sollte sich der Moskauer Patriarch für ein Ende der Kampfhandlungen und insbesondere für den Schutz der Zivilbevölkerung einsetzen", betonten die Präsidentinnen und Präsidenten der KAÖ, Ferdinand Kaineder, Katharina Renner und Thomas Immervoll. Weder die christliche Botschaft noch kirchliche Autorität dürften für nationalistische und kriegerische Ziele instrumentalisiert werden.
Die KAÖ wies auch auf die verheerenden humanitären Folgen des seit 24. Februar 2022 andauernden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hin: Fast sechs Millionen Menschen sind ins Ausland geflüchtet, rund vier Millionen gelten innerhalb der Ukraine als Vertriebene. Hunderttausende Tote und Verletzte seien zu beklagen, rund elf Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Massive Raketenangriffe hätten Millionen Wohnungen zerstört sowie landwirtschaftliche Flächen und Industrieanlagen schwer beschädigt. Durch gezielten Beschuss von Energieinfrastruktur mit langanhaltenden Ausfällen bei Heizung und Strom solle die Widerstandskraft der Zivilbevölkerung gebrochen werden.
Die täglichen Nachrichten von neuen Angriffen und Verbrechen würden viele Menschen in Österreich fassungslos mitfühlen lassen. Jedoch sei es "schwer nachzuempfinden, was es heißt, täglich mehrmals bei Sirenengeheul in den Keller, in Schutzräume oder Metrostationen zu laufen, von nächtlichen Unterbrechungen, Kälte und Finsternis zermürbt zu sein", so die offizielle Laienorganisation der katholischen Kirche Österreich.
Kirchen hätten in dieser Situation die Aufgabe, Schutzräume für Menschen zu bieten, demokratische Werte zu stärken und zur Aufarbeitung religiös begründeter Gewalt beizutragen. "Denn Friede gelingt nur, wenn Menschen aller Seiten einander in Respekt begegnen, ohne Unterwerfungsgesten und Siegesgehabe", so die KAÖ. Kaineder, Renner und Immervoll erklärten sich zudem solidarisch mit allen, die sich in der Ukraine und in Russland für den Frieden einsetzen, und riefen zu großzügigen Spenden für Menschen in Kriegsgebieten auf.
Rund um den Jahrestag gibt es österreichweit Solidaritätsveranstaltungen und -gebete für die Ukraine. Am Donnerstag fand etwa ein Kerzenmeer für die Ukraine auf dem Wiener Stephansplatz organisiert von der Caritas statt, an dem u.a. der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner teilnahmen. Zudem feiert Kardinal Christoph Kardinal Schönborn, auch Ordinarius für die Gläubigen der Katholischen Ostkirchen in Österreich, am 24. Februar (14.30 Uhr) einen ökumenischen Gottesdienst mit Friedensgebet für die Ukraine im Wiener Stephansdom.
Quelle: kathpress