
Historische Speisglocke kehrt in den Stephansdom zurück
Mehr als acht Jahrzehnte nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist die sogenannte Speisglocke in den Stephansdom zurückgekehrt. Dank einer großzügigen anonymen Spende wurde die historische Glocke restauriert und ist nun wieder an ihrem angestammten Platz im Südturm zu hören, teilte der Verein "Unser Stephansdom" am Montag mit.
Die 1613 vom Wiener Ratsherrn Thomas Ring gestiftete Glocke diente einst dem Läuten bei Versehgängen: Wie der Chronist Joseph Ogesser berichtet, wurde sie mit dreimaligem Absetzen geläutet, wenn der Priester die Kommunion zu einem Kranken brachte; mit zweimaligem Absetzen wurde sie geläutet, wenn er sie zu einem Sterbenden brachte.
1746 wurde die Glocke vom Glockengießer Johann Josef Pfrenger in ihre heutige Form umgegossen und hing seither im Turmhelm des hohen Turms, gemeinsam mit der Zügenglocke und den beiden Schlagglocken. Am 16. März 1942 erklang sie letztmals, zwei Tage später wurde sie wie viele andere Wiener Kirchenglocken für Kriegszwecke abmontiert. Dem Einschmelzen entging sie zwar, kehrte 1946 jedoch beschädigt nach St. Stephan zurück und wurde dann als stummes Museumsstück neben die neue Pummerin im Nordturm gehängt.
Nun restaurierte die Glockengießerei Grassmayr die 233 Kilogramm schwere Glocke (Ton h1, Durchmesser 73,5 Zentimeter). "Die Wiederherstellung war nur dank der Unterstützung eines anonymen Spenders möglich", erklärte Vereinsobmann Günter Geyer. Domkapellmeister Markus Landerer sprach von einem "bewegenden Moment": Mit der Rückkehr der Speisglocke sei das 22 Glocken umfassende Geläut des Doms wieder vollständig funktionsfähig.
Quelle: Kathpress