Heiner Wilmer neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Der 64-jährige Bischof von Hildesheim wurde am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Würzburg für eine sechsjährige Amtszeit zum Nachfolger von Bischof Georg Bätzing (64) gewählt. Wilmer steht seit 2018 an der Spitze der Diözese Hildesheim. Der Ordensmann gilt zwischen Konservativen und Reformern als Vermittler, der auf Beteiligung und Dialog setzt.
Der aus dem Emsland stammende Wilmer trat mit 19 Jahren in den Orden der Dehonianer ein, die auch als Herz-Jesu-Priester bekannt sind. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz.
2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte. Papst Franziskus (2013-2025) ernannte Wilmer am 6. April 2018 zum Bischof von Hildesheim. Vor drei Jahren galt der Deutsche auch als möglicher Kandidat für das Amt des Glaubenspräfekten im Vatikan. Franziskus entschied sich dann aber für seinen argentinischen Landsmann Victor Manuel Fernandez.
Deutschlandweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. In der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Von 2019 bis 2024 war Wilmer Vorsitzender der Deutschen Kommission Iustitia et Pax. Bekannt ist der neue Bischofskonferenz-Vorsitzende aber auch als ein Mann der Spiritualität. 2024 veröffentlichte er mit "Herzschlag" einen fiktiven Dialog mit der in Auschwitz ermordeten Jüdin Etty Hillesum.

Wilmer: Kirche ist ein Anker der Gesellschaft
In seinem ersten Statement als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) verwies Heiner Wilmer auf die Rolle der Kirche für die Gesellschaft. "Die katholische Kirche ist attraktiv", sagte der Bischof von Hildesheim vor Journalisten nach seiner Wahl. Die Kirche sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre bezeichnete Wilmer als eine "prophetische Stimme für alle Menschen". Diese gelte es, stärker werden zu lassen.
Die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach, betonte Wilmer. Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche".
Gemeinden, Verbände, Caritas, Schulen und Familien würden den Glauben tragen. Dieser sei eine Quelle von Kraft und Weite, verbinde Generationen und öffne Räume der Hoffnung. Dies lebten Katholiken in ökumenischer Verbundenheit mit ihren evangelischen und orthodoxen Geschwistern sowie mit allen Juden und Muslimen.
Die Kirche wolle Botschafterin des Friedens sein, betonte Wilmer weiter. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der ganzen Welt, aber auch mit Blick auf die Stimmung in der deutschen Gesellschaft. Die christliche Hoffnung sei größer als ein naiver Optimismus, so der neue Vorsitzende. Die Kraft des Evangeliums sei es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein.
Stimmen Missbrauchsbetroffener "haben Gewicht"
Beim ersten öffentlichen Termin nach seiner Wahl wandte sich der neue DBK-Vorsitzende auch an Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. "Ihre Stimmen haben Gewicht", betonte Wilmer. Diese Stimmen müssten gehört werden, jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit.
Dieser Weg sei von Zuhören und Verlässlichkeit geprägt, so Wilmer weiter. "So entsteht ein Raum, in dem Würde geschützt ist und Vertrauen neu wachsen kann." Zugleich gebe es in Bezug auf das Thema Missbrauch Verletzungen und Kränkungen auf beiden Seiten.
"Wichtige Positionen mit Frauen besetzen"
Zurückhaltend äußerte sich der Konferenzvorsitzende auf Nachfrage zu innerkirchlichen Reformen. "Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen", sagte Wilmer. Auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, sagte er: "Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen." Er begrüße es, "dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat".
Erwartet wird von Wilmer, dass er die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem Reformprojekt Synodaler Weg der Kirche in Deutschland überwindet und auch Differenzen mit dem Vatikan beilegt. Auf die Frage, wie er die Bischofskonferenz in diesen Fragen zu einer Einheit führen will, ging der Vorsitzende nicht konkret ein, sondern sagte: "Ich bin fest davon überzeugt, dass alle meine Mitbrüder Gleiches wollen, nämlich das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln."

Generalsekretärin im Amt bestätigt
Neben der Wahl Wilmers zum neuen Vorsitzenden bestätigten die deutschen Bischöfe am Dienstag auch ihre Generalsekretärin Beate Gilles (55) im Amt. Sie hatte 2021 als erste Frau das Generalsekretärsamt der Deutschen Bischofskonferenz übernommen. Am Sitz des DBK-Sekretariats in Bonn ist sie für rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig. Daneben ist Gilles als Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen in Deutschland (VDD) mitverantwortlich für die Verteilung von Kirchenbeitragsmitteln an Hilfswerke, Verbände und kirchliche Medienunternehmen.
Unverändert bleibt auch der Pressesprecher der Bischöfe. Die Konferenz-Mitglieder bestätigten Matthias Kopp in seiner Funktion. Der 57-Jährige ist in der Kirche weltweit vernetzt und seit Ende 2024 auch Berater der Kommunikationsabteilung des Vatikans (Dikasterium für Kommunikation).
Nicht neu gewählt werden musste bei der aktuellen Versammlung der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz. Amtsinhaber Michael Gerber, Bischof von Fulda, war vor drei Jahren für sechs Jahre gewählt worden.
Quelle: Kathpress